Verzugszinsen, Zinseszinsverbot, Schadensersatz aus verspäteter Zahlung von Zinsen
BGB §§ 280, 286, 288 Abs. 1, 289
Leitsatz
häufig von der Redaktion verfasst
Von Zinsen sind - seien sie gesetzliche oder rechtsgeschäftliche Zinsen - Verzugszinsen nicht zu entrichten. Ein Schaden, der aus der verspäteten Zahlung von Zinsen entsteht, muss von dem Gläubiger auch dann konkret dargelegt werden, wenn er nur den gesetzlichen Zins als Mindestschaden verlangt.
(Leitsatz der Redaktion)
Sachverhalt
Wortlaut des Gerichts
1 Der Kl. nimmt die Bekl. - seine geschiedene Ehefrau - auf Rückzahlung eines Darlehens in Anspruch.
2 Ausweislich eines auf den 16. Februar 1997 datierten und die Unterschrift der Bekl. tragenden Darlehensvertrags wurde der Bekl. von dem Kl. ein zeitlich unbefristetes und mit 8,5 % p. a. verzinsliches Darlehen über 50.000 DM (entspricht 25.564,59 €) gewährt. Nach den Bestimmungen des Darlehensvertrags sollten die aufgelaufenen Darlehenszinsen bei Rückgabe des Darlehens „in Ansatz gebracht“ werden. Mit Schreiben vom 8. Mai 2009 forderte der Kl. die Rückzahlung des Darlehenskapitals. Mit anwaltlichem Schreiben vom 5. Juni 2009 kündigte der Kl. das Darlehen nochmals vorsorglich und forderte die Bekl. unter Fristsetzung bis zum 19. Juni 2009 erfolglos zur Rückzahlung des Darlehenskapitals in Höhe von 25.564,59 € und zur Zahlung von ausgerechneten Darlehenszinsen in Höhe von 26.814,10 € (entspricht 8,5 % auf 25.564,59 € vom 16. Februar 1997 bis zum 19. Juni 2009) auf.
3 Mit seiner Klage hat der Kl. von der Bekl. unter anderem die Zahlung von 52.378,69 € nebst 8,5 % Zinsen aus 25.564,59 € seit dem 20. Juni 2009 und Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz auf 26.714,10 € seit dem 20. Juni 2009 verlangt. Das Landgericht hat die Bekl. insoweit antragsgemäß verurteilt; die dagegen gerichtete Berufung der Bekl. hat das Oberlandesgericht zurückgewiesen.
4 Der Senat hat auf die Nichtzulassungsbeschwerde der Bekl. die Revision teilweise zugelassen, soweit die Bekl. ihrer Verurteilung zur Zahlung von Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz auf 26.714,10 € entgegentritt. Im Umfang der Revisionszulassung verfolgt die Bekl. ihren Klageabweisungsantrag weiter.
Aus den Gründen
Wortlaut des Gerichts
5 Die Revision führt im Umfang ihrer Zulassung zur Aufhebung der angefochtenen Entscheidung und zur Zurückverweisung der Sache an das Berufungsgericht.
I. 6 Das Berufungsgericht hat dem Kl. gemäß §§ 280, 286, 288 Abs. 1 BGB Verzugszinsen in gesetzlicher Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz auf ausgerechnete Zinsen zugesprochen. Dies hält rechtlicher Überprüfung nicht stand.
7 1. Bereits der Bestimmung des Zinsrückstandes von 26.814,10 € liegt keine vollständig zutreffende Berechnung zugrunde, weil der Kl. jedenfalls nicht durchgehend bis zum 19. Juni 2009 den vertraglich vereinbarten Darlehenszins von 8,5 % von der Bekl. verlangen konnte.
8 Nach dem Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Kündigung des Darlehensvertrages - zu dem das Berufungsgericht keine Feststellungen getroffen hat - kann der vertraglich vereinbarte Zins auf das Darlehenskapital nicht mehr verlangt werden (BGHZ 104, 337, 338 f. = NJW 1988, 1967, 1968; BGH, Urteil vom 26. Januar 1999 - XI ZR 83/98 - BeckRS 1999 30044005; BeckOK-BGB/Rohe [Stand: 1. August 2015] § 488 Rn. 65). Zur Begründung eines den gesetzlichen Verzugszins - seinerzeit 6,62 % - übersteigenden Zinssatzes hat der Kl. nichts vorgetragen.
9 Da indessen eine Kündigung des Darlehens frühestens durch das Schreiben des Kl. vom 8. Mai 2009 erfolgt ist, ergeben sich für den kurzen Zeitraum bis zum 19. Juni 2009 nur sehr geringe Änderungen bei der Zinsberechnung, die sich im vorliegenden Revisionsverfahren deshalb nicht auswirken, weil der Kl. - wohl aufgrund eines Versehens - Verzugszinsen nur auf ausgerechnete Zinsen in Höhe von 26.714,10 € (statt 26.814,10 €) verlangt.
10 2. Soweit das Berufungsgericht dem Kl. auf die ausgerechneten Zinsen den gesetzlichen Verzugszins (§ 288 Abs. 1 BGB) zugesprochen hat, rügt die Revision zu Recht einen Verstoß gegen § 289 BGB.
11 Nach § 289 Satz 1 BGB sind von Zinsen - seien sie gesetzliche oder rechtsgeschäftliche Zinsen - Verzugszinsen nicht zu entrichten. Nach § 289 Satz 2 BGB bleibt der Anspruch auf Ersatz eines nachgewiesenen Verzugsschadens unberührt. Der Ersatz eines solchen Schadens, der aus der verspäteten Zahlung von Zinsen entsteht, setzt voraus, dass der Schuldner auch wegen der Zinsrückstände in Verzug gesetzt wird. Dies ist hier zwar der Fall. Der Verzugsschaden muss indessen wegen des allgemeinen Zinseszinsverbotes nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs von dem Gläubiger auch dann konkret dargelegt werden, wenn er nur den gesetzlichen Zins als Mindestschaden verlangt (vgl. BGHZ 111, 324, 329 = NJW 1990, 2380, 2381; BGH, Urteile vom 7. Dezember 2009 - II ZR 15/08 -, NJW 2010, 1077 Rn. 30; vom 9. Februar 1993 - XI ZR 88/92 -, NJW 1993, 1260, 1261; vom 16. November 1990 - V ZR 217/89 -, NJW 1991, 843, 844 und vom 23. Februar 1979 - V ZR 106/76 -, NJW 1979, 1545). Fehlt es - wie hier - an solchen Darlegungen, ist eine auf Verzugszinsen von Zinsrückständen gerichtete Klage unschlüssig (BGH, Urteil vom 23. Februar 1979 - V ZR 106/76 -, NJW 1979, 1545).
12 II. Die angefochtene Entscheidung kann daher keinen Bestand haben.
13 Die Sache ist noch nicht zur Endentscheidung reif (§ 563 Abs. 3 ZPO), weil dem Kl. gemäß §§ 139, 278 Abs. 3 ZPO Gelegenheit gegeben werden muss, zu der in den Vorinstanzen nicht erörterten Frage der Entstehung eines konkreten Verzugsschadens vorzutragen (vgl. BGH, Urteil vom 25. November 1994 - V ZR 24/93 -, MittBayNot 1995, 38, 39; MünchKomm-ZPO/Krüger, 4. Aufl., § 563 Rn. 20). Die Entscheidung des Berufungsgerichts ist daher im Umfang der Anfechtung aufzuheben und die Sache an das Berufungsgericht zurückzuverweisen (§ 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO).
Leitsatz
häufig von der Redaktion verfasst
Ein Zinseszins kann grundsätzlich nicht verlangt werden. Es verbleibt allerdings der Anspruch auf Ersatz eines solchen Schadens, der aus der verspäteten Zahlung von Zinsen entsteht. Dazu muss der Schuldner jedoch auch wegen der Zinsrückstände in Verzug gesetzt werden. Ferner muss der Verzugsschaden von dem Gläubiger auch dann konkret dargelegt werden, wenn dieser nur den gesetzlichen Zins als Mindestschaden verlangt.
Der Fall
Bearbeitung des Verlags, keine Aussage des Gerichts
Der Beklagte hatte ein verzinsliches Darlehen vom Kläger erhalten. Nach dem Vertrag sollten die aufgelaufenen Darlehenszinsen bei Rückgabe des Darlehens „in Ansatz gebracht“ werden. Der Kläger kündigte das Darlehen und verlangte klageweise Rückzahlung des Darlehens nebst aufgelaufener Zinsen und weiterhin Zinsen i. H. v. 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz. In der Instanz wurde der Beklagte antragsgemäß verurteilt. Auf die Nichtzulassungsbeschwerde des Beklagten ließ der BGH die Revision teilweise zu, soweit der Beklagte seiner Verurteilung zur Zahlung von Zinsen i. H. v. 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz entgegengetreten war. Im Umfang der Revisionszulassung verfolgte der Beklagte seinen Klageabweisungsantrag weiter.
Das Urteil
Bearbeitung des Verlags, keine Aussage des Gerichts
Die Revision hatte im Umfang ihrer Zulassung Erfolg; die Sache wurde an das Berufungsgericht insofern zurückverwiesen.
Das Berufungsgericht habe dem Kläger gemäß §§ 280, 286, 288 Abs. 1 BGB Verzugszinsen in gesetzlicher Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz auf ausgerechnete Zinsen zugesprochen. Das halte rechtlicher Überprüfung nicht stand. Nach dem Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Kündigung des Darlehens könne der vertraglich vereinbarte Zins auf das Darlehenskapital nicht mehr verlangt werden. Zur Begründung eines den gesetzlichen Verzugszins übersteigenden Zinssatzes habe der Kläger nichts vorgetragen. Soweit das Berufungsgericht dem Kläger auf die ausgerechneten Zinsen den gesetzlichen Verzugszins zugesprochen habe, rüge die Revision zu Recht einen Verstoß gegen § 289 BGB. Nach dessen Satz 1 seien von Zinsen – seien sie gesetzliche oder rechtsgeschäftliche Zinsen – Verzugszinsen nicht zu entrichten. Nach dessen Satz 2 bleibe aber der Anspruch auf Ersatz eines nachgewiesenen Verzugsschadens unberührt. Der Ersatz eines solchen Schadens, der aus der verspäteten Zahlung von Zinsen entstehe, setze voraus, dass der Schuldner auch wegen der Zinsrückstände in Verzug gesetzt werde. Das sei hier zwar der Fall. Der Verzugsschaden müsse indessen wegen des allgemeinen Zinseszinsverbotes von dem Gläubiger auch dann konkret dargelegt werden, wenn er nur den gesetzlichen Zins als Mindestschaden verlange. Fehle es – wie hier – an solchen Darlegungen, sei eine auf Verzugszinsen von Zinsrückständen gerichtete Klage unschlüssig. Dem Kläger müsse nun Gelegenheit gegeben werden, zu der in den Vorinstanzen nicht erörterten Frage der Entstehung eines konkreten Verzugsschadens vorzutragen.