Kündigung gegenüber Mietermehrheit
BGB §§ 535, 563, 564
Leitsatz
häufig von der Redaktion verfasst
Kündigung gegenüber Mietermehrheit; Erbenkündigung
Leitsätze
häufig von der Redaktion verfasst
1. Zur Kündigung eines Mietverhältnisses gegenüber mehreren Mietern.
2. Teilen die Erben des verstorbenen Mieters dem Vermieter mit, dass sie das Mietverhältnis nach § 563 Abs. 2 BGB fortsetzen wollen, und bitten sie den Vermieter, sich im weiteren Schriftverkehr nur an einen der Erben zu wenden, liegt darin eine Bevollmächtigung des den Schriftverkehr führenden Erben zur Entgegennahme von Willenserklärungen des Vermieters, die das Mietverhältnis betreffen. Für die Frage, ob ein Eintritt eines Erben in das Mietverhältnis nach § 563 Abs. 2 Satz 1 BGB als im Haushalt des verstorbenen Mieters lebendes Kind erfolgt ist, kommt es nicht darauf an, ob das Kind wie ein übriger Angehöriger den Haushalt zusammen mit dem verstorbenen Mieter geführt hat, sondern es reicht aus, dass es lediglich in dessen Haushalt gelebt hat.
(zu 2. Leitsatz der Redaktion)
Sachverhalt
Wortlaut des Gerichts
1 Die Kl. nimmt die Bekl. auf Räumung und Herausgabe einer Wohnung in Anspruch.
2 Die Bekl. und ihre Schwester Carolin S. sind Erbinnen nach ihrer am 7. Januar 2012 verstorbenen Mutter, die aufgrund eines Mietvertrags vom 5. März 1995 Mieterin der streitgegenständlichen Wohnung in Berlin war. Die Kl. ist die Vermieterin.
3 Die Bekl. und ihre Schwester zeigten der Kl. mit Schreiben vom 1. Februar 2012 den Tod ihrer Mutter an. Das Schreiben war mit den Absenderanschriften der Bekl. unter der streitgegenständlichen Wohnung und ihrer Schwester in D. versehen. Sie trugen darin vor:
„... Wir haben mit unserer Mutter in einem gemeinsamen Haushalt gelebt und sind nun nach § 563 Abs. 2 BGB per Gesetz an die Stelle unserer Mutter in das Mietverhältnis getreten. Hiermit erklären wir, dass wir das bestehende Mietverhältnis fortsetzen wollen. Weitere Erben oder Anspruchsberechtigte gibt es nicht. Die Miete wird in Zukunft von Sophie S. überwiesen. Im Schriftverkehr wenden Sie sich bitte auch an Sophie S."
4 Hierauf erklärte die Kl. mit Schreiben vom 29. Februar 2012 die Kündigung. Als Empfänger ist in dem Kündigungsschreiben unter der Anschrift der streitgegenständlichen Wohnung angegeben: „Frau S., Sophie",
5 wobei der Vorname handschriftlich eingefügt ist. In dem Kündigungsschreiben heißt es:
„Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit mache ich von meinem Sonderkündigungsrecht lt. BGB § 563 (Eintrittsrecht bei Tod des Mieters) Gebrauch, da Sie nicht im Haushalt Ihrer Mutter gelebt haben. Ich kündige zum nächstmöglichen Zeitpunkt fristgerecht ..."
6 Auf dem Schreiben befindet sich ein handschriftlicher Vermerk, der von der Bekl. unterschrieben ist: „Am 29.02.12 erhalten: Diese Kündigung wird umgehend an die Schwester, Frau Carolin S., weitergeleitet."
7 Mit Schreiben vom 6. September 2012 erklärte die Kl. gegenüber der Bekl. und ihrer Schwester erneut die Kündigung und berief sich hierbei sowohl auf § 563 BGB als auch auf § 564 BGB. Es folgten weitere Kündigungsschreiben.
8 § 20 Ziff. 2 des Mietvertrags lautet:
„Für die Rechtswirksamkeit einer Erklärung des Vermieters genügt es, wenn sie gegenüber einem der Mieter abgegeben wird. Willenserklärungen eines Mieters sind auch für die anderen Mieter verbindlich. Die Mieter bevollmächtigten sich hiermit gegenseitig zur Abgabe und Entgegennahme von Willenserklärungen, und zwar unter gegenseitiger Befreiung von den Beschränkungen des § 181 BGB. Dies gilt nicht für die Kündigung eines Mieters."
9 Das AG hat die Räumungsklage abgewiesen, die Berufung der Kl. hat das LG zurückgewiesen. Mit der vom Senat zugelassenen Revision verfolgt die Kl. ihr Räumungsbegehren weiter.
Aus den Gründen
Wortlaut des Gerichts
10 Die Revision hat Erfolg.
I. 11 Das Berufungsgericht (LG Berlin, Urteil vom 13. Dezember 2013, 63 S 94/13, juris) hat zur Begründung seiner Entscheidung im Wesentlichen ausgeführt:
12 Der Kl. stehe gegenüber der Bekl. ein Anspruch auf Räumung und Herausgabe der von ihr innegehaltenen Wohnung nicht zu (§ 546 Abs. 1, § 985 BGB). Die Kündigung vom 29. Februar 2012 sei nicht gemäß § 564 BGB wirksam. Träten mehrere Erben die Rechtsnachfolge des Verstorbenen an, müsse gegenüber sämtlichen gekündigt werden. Die allein der Bekl. überreichte Kündigung vom 29. Februar 2012 genüge insoweit nicht, da sie sich nur an diese richte. Die Kl. behaupte selbst nicht, eine Adressierung auch an die Schwester der Bekl. vorgenommen zu haben, wohingegen die Aufforderung zur Weitergabe an diese - bei handschriftlich eingefügtem Namen der Bekl. im Adressfeld - nicht eine an sie gerichtete Willenserklärung ersetze. Daran ändere auch die unbestimmte Anrede im Zusammenhang mit dem Weiterleitungszusatz nichts.
13 Soweit sich die Kündigung nur an die Bekl. richte, vermöge § 20 Ziff. 2 des Mietvertrags daran nichts zu ändern. Denn eine vorformulierte Vertragsklausel, die bestimme, dass sich mehrere Vermieter oder Mieter gegenseitig bevollmächtigten, Erklärungen entgegenzunehmen, sei zwar wirksam; dies gelte auch dann, wenn sie den Empfang der Kündigung einschließe, während jedoch eine Klausel, wonach die Kündigung an einen Mieter die Kündigung des Mietverhältnisses mit Wirkung gegen alle Mieter bewirke, keine Bevollmächtigung enthalte, sondern entgegen § 425 Abs. 2 BGB die Wirkung gegen die Gesamtschuldner anordne und unwirksam sei. Eine Empfangsvollmacht besage nämlich nur, dass der Empfangsvertreter eine an den Mieter gerichtete Kündigung entgegennehmen könne.
14 Eine Kündigung aus wichtigem Grund nach § 563 Abs. 4 BGB könne dem Schreiben nicht entnommen werden.
15 Die weiteren Kündigungen gegenüber der Bekl. und ihrer Schwester seien ebenfalls nicht nach § 564 BGB wirksam, weil sich die Kl. auf die fehlende Kenntnis von der Erbenstellung nach § 564 BGB nicht berufen könne.
16 Sie seien auch nicht nach § 563 BGB gegenüber der Bekl. wirksam, ohne dass es auf die streitige Frage der vorherigen gemeinsamen Haushaltsführung ankomme. Denn die Kl. habe diese weiteren Kündigungen nicht innerhalb der Monatsfrist des § 563 Abs. 4 BGB aus wichtigem Grund erklärt, so dass die Bekl. und ihre Schwester als Erben das Mietverhältnis ihrer verstorbenen Mutter gemäß § 564 Satz 1 BGB fortgesetzt hätten.
II. 17 Diese Beurteilung hält rechtlicher Nachprüfung nicht stand. Mit der vom Berufungsgericht gegebenen Begründung kann der von der Kl. mit der Kündigung vom 29. Februar 2012 geltend gemachte Räumungsanspruch gemäß § 546 Abs. 1, § 985 BGB nicht verneint werden. Die (formelle) Wirksamkeit der Kündigung vom 29. Februar 2012 scheitert jedenfalls nicht - wie vom Berufungsgericht angenommen - daran, dass sich die Kündigung nur an die Bekl. und nicht an deren Schwester Carolin S. richtete. Ob die Kl. ihr Sonderkündigungsrecht mit Schreiben vom 29. Februar 2012 im Übrigen wirksam ausgeübt hat, kann auf der Grundlage der vom Berufungsgericht bisher getroffenen Feststellungen nicht abschließend beantwortet werden.
1. 18 Anders als die Revisionserwiderung meint, ist die Klage allerdings nicht bereits wegen eines fehlenden Rechtsschutzbedürfnisses unzulässig, weil die Kl. nur die Bekl., nicht aber deren Schwester als mögliche Mitmieterin auf Räumung in Anspruch genommen hat.
19 Es ist unerheblich, dass die Kl. Räumung der Wohnung (zunächst) nur der Bekl. gegenüber begehrt. Die Rückgabepflicht mehrerer Mieter ist eine Gesamtschuld, die gegen jeden der Schuldner besonders geltend gemacht werden kann, §§ 427, 431 BGB (RGZ 89, 203, 207; vgl. ferner Senatsbeschlüsse vom 22. November 1995 - VIII ARZ 4/95, NJW 1996, 515 unter III 2 a, vom 5. Oktober 2005 - VIII ZB 52/04, NJW 2005, 3786 unter II 2 b cc).
20 2. Zutreffend hat das Berufungsgericht angenommen, dass die Kündigungserklärung der Kl. vom 29. Februar 2012 dahin gehend auszulegen ist, dass sie (auch) eine Kündigung nach § 564 BGB enthält. Nach den insoweit rechtsfehlerfrei getroffenen, von der Revision nicht angegriffenen Feststellungen des Berufungsgerichts hat die Kl. durch die Formulierung „hiermit mache ich von meinem Sonderkündigungsrecht lt. BGB § 563 [...] Gebrauch, da Sie nicht im Haushalt Ihrer Mutter gelebt haben" den Eintritt der Bekl. in das Mietverhältnis gemäß § 563 BGB bestritten und ihr Räumungsverlangen in materieller Hinsicht auf die (nachrangig zu prüfende) Kündigungsregelung in § 564 BGB gegen die Bekl. als (Mit-) Erbin und Rechtsnachfolgerin nach ihrer verstorbenen Mutter als Mieterin gestützt.
21 3. Dem Berufungsgericht ist auch darin beizupflichten, dass die Kündigung gemäß § 564 BGB gegenüber sämtlichen Erben als Rechtsnachfolgern des verstorbenen Mieters erfolgen muss. Rechtsfehlerhaft ist jedoch die Würdigung des Berufungsgerichts, dieses sei im vorliegenden Fall nicht erfolgt, da die Kündigung sich nur an die Bekl. richte und die im handschriftlichen Zusatz zugesagte Weitergabe des Schreibens vom 29. Februar 2012 an deren Schwester nicht eine an diese gerichtete Kündigung ersetze.
22 a) Zwar handelt es sich bei der Ermittlung des Sinngehalts einer von den Parteien abgegebenen Willenserklärung um eine in erster Linie dem Tatrichter obliegende Auslegung, die revisionsrechtlich nur daraufhin überprüfbar ist, ob der Tatrichter gesetzliche oder allgemein anerkannte Auslegungsregeln, Denkgesetze oder Erfahrungssätze verletzt oder wesentlichen Auslegungsstoff außer Acht gelassen hat (st. Rspr., so BGH, Urteile vom 17. April 2012 - II ZR 198/10, juris Rn. 22; vom 27. Juni 2001 - VIII ZR 235/00, NJW 2001, 3775 unter II 1). Solche Rechtsfehler sind hier indes gegeben.
23 b) Die Auslegung des Berufungsgerichts schöpft den Wortlaut des Schreibens vom 29. Februar 2012 einschließlich der darauf vermerkten handschriftlichen Zusätze nicht aus und verkürzt auf diese Weise unzulässig deren rechtsgeschäftlichen Bedeutungsgehalt. Insbesondere hat das Berufungsgericht unberücksichtigt gelassen, dass die Kl. ihre auf § 564 BGB gestützte Kündigung ersichtlich an beide Töchter als nach dem Tod der Mieterin in Betracht kommende Erben richten wollte, §§ 133, 157 BGB, und dies auch - wie allein schon der auf das Kündigungsschreiben gesetzte Weiterleitungsvermerk zeigt - für alle Beteiligten ersichtlich war.
24 aa) Eine empfangsbedürftige Willenserklärung - wie hier die Kündigungserklärung - ist gemäß §§ 133, 157 BGB so auszulegen, wie sie der Erklärungsempfänger nach Treu und Glauben unter Berücksichtigung der Verkehrssitte verstehen musste. Der Erklärungsempfänger ist verpflichtet, unter Berücksichtigung aller ihm erkennbaren Umstände zu prüfen, was der Erklärende gemeint hat (st. Rspr.; BGH, Urteil vom 21. Mai 2008 - IV ZR 238/06, NJW 2008, 2702 Rn. 30). Entscheidend ist dabei der durch normative Auslegung zu ermittelnde objektive Erklärungswert des Verhaltens des Erklärenden (BGH, Urteil vom 5. Oktober 1961 - VII ZR 207/60, BGHZ 36, 30, 33; Palandt/Ellenberger, BGB, 74. Aufl., § 133 Rn. 9).
25 Zwar ist ein entsprechender Wille der Kl. aus der maßgeblichen Sicht der Schwester der Bekl. als Empfängerin - entgegen der Ansicht der Revision - nicht schon der allgemein gehaltenen Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren" zu entnehmen, wohl jedoch dem Inhalt des handschriftlichen Zusatzes auf diesem Schreiben. Hiernach verpflichtete sich die Bekl., die Kündigung umgehend an die namentlich genannte Schwester weiterzuleiten.
26 bb) Das Berufungsgericht, das dem Vermerk den Sinn beigemessen hat, die Schwester habe auf diesem Weg lediglich von der Kündigung gegenüber der Bekl. erfahren sollen, wird dem Erklärungsgehalt des Zusatzvermerks nicht gerecht. Eine derart beschränkende Erklärungsbedeutung hätte für die Kl. in rechtlicher Hinsicht keinen Sinn ergeben. Ihr ging es ersichtlich nicht um eine Kenntnis der Schwester von der gegenüber der Bekl. erfolgten Kündigung, sondern um die Beendigung des Mietverhältnisses insgesamt. Dies war nur durch die Kündigung des Mietverhältnisses gegenüber beiden Töchtern der verstorbenen Mieterin als deren Erbinnen zu erreichen. Dieser objektive Erklärungsgehalt des Weiterleitungszusatzes konnte einem redlichen Erklärungsempfänger nicht verborgen bleiben.
27 4. Mit diesem Inhalt ist das Kündigungsschreiben vom 29. Februar 2012 beiden Mieterinnen innerhalb der Monatsfrist des § 564 Satz 2 BGB auch rechtzeitig zugegangen.
28 Es kann dahinstehen, ob die formularmäßige Vollmachtsklausel in § 20 Satz 2 des Mietvertrags, die - anders als die in dem Rechtsentscheid des Senats vom 10. September 1997 (VIII ARZ 1/97, BGHZ 136, 314) zu beurteilende Klausel - mit der Bestimmung kombiniert ist, dass für die Rechtswirksamkeit einer Willenserklärung des Vermieters die Abgabe gegenüber einem von mehreren Mietern genügt, einer AGB-rechtlichen Inhaltskontrolle standhielte. Denn in dem von der Bekl. und Carolin S. gemeinsam verfassten und unterzeichneten Schreiben vom 1. Februar 2012 ist die Kl. ausdrücklich gebeten worden, den Schriftverkehr im Mietverhältnis an die Bekl. zu richten.
29 Diese Erklärung, die der Senat, da weitere Feststellungen nicht zu erwarten sind, selbst auslegen kann, enthält eine Bevollmächtigung der Bekl. durch die Mitmieterin Carolin S. zur Entgegennahme von Willenserklärungen der Kl., die das Mietverhältnis betreffen. Dem Schreiben ist zu entnehmen, dass (nur) die Bekl. in der Wohnung wohnen wird, während Carolin S. in einer anderen Stadt wohnt. Zudem wird weiter mitgeteilt, dass die Miete in der Zukunft allein von der Bekl. gezahlt werden wird. Jedenfalls unter diesen Umständen, die es nahelegen, dass alle Rechte und Pflichten aus dem Mietvertrag im Innenverhältnis der Mieterinnen bei der Bekl. liegen sollen, ist die auch von Carolin S. geäußerte Bitte, den Schriftverkehr an die Bekl. zu richten, aus der maßgeblichen Sicht der Kl. als Erteilung einer Vollmacht zur Entgegennahme von Willenserklärungen aus dem Mietverhältnis auszulegen.
III. 30 Nach alledem kann das Berufungsurteil keinen Bestand haben; [...] Das Berufungsgericht wird hinsichtlich der bei der Klärung der materiellen Begründetheit der Kündigung gemäß § 564 BGB vorab zu prüfenden Frage, ob ein Eintritt der Bekl. in das Mietverhältnis gemäß § 563 Abs. 2 Satz 1 BGB als im Haushalt der verstorbenen Mieterin lebendes Kind erfolgt ist, zu bedenken haben, dass insoweit keine überspannten Anforderungen zu stellen sind. Insbesondere muss das Kind gemäß § 563 Abs. 2 Satz 1 BGB nicht wie ein übriger Angehöriger den Haushalt zusammen mit dem verstorbenen Mieter geführt haben, sondern es reicht aus, dass es lediglich in dessen Haushalt gelebt hat.
Leitsatz
häufig von der Redaktion verfasst
Hat das Kind des Mieters schon in der Mietwohnung gelebt und wird Erbe des Mieters, kann ein Eintrittsrecht nach § 563 Abs. 2 BGB und daneben die Fortsetzung des Mietverhältnisses mit dem Erben nach § 564 BGB in Betracht kommen.
Der Fall
Bearbeitung des Verlags, keine Aussage des Gerichts
Die Töchter der verstorbenen Mieterin teilten mit Absenderangabe einer Tochter unter der streitgegenständlichen Mietwohnung den Tod ihrer Mutter mit und vertraten die Ansicht, sie wären in das Mietverhältnis eingetreten und wollten es fortsetzen. Zum weiteren Schriftverkehr sollte der Vermieter sich an die Tochter wenden, die unter der Anschrift der Mietwohnung erreichbar sei (es stellte sich heraus, dass die andere Tochter in einer anderen Stadt wohnte). Der Vermieter kündigte das Mietverhältnis nach § 563 BGB. Auf dem Schreiben befand sich ein handschriftlicher Vermerk des Vermieters: „Am 29. Februar 2012 erhalten: Diese Kündigung wurde umgehend an die Schwester Frau C. S. weitergeleitet." Dieser Vermerk wurde von der Beklagten, die der Vermieter auf Räumung und Herausgabe in Anspruch nahm, unterschrieben. Der Vermieter kündigte noch einmal und berief sich neben § 563 BGB auch auf § 564 BGB. Das Amtsgericht wies die Klage ab, das Landgericht wies die Berufung zurück und ließ die Revision nicht zu. Der Vermieter legte Nichtzulassungsbeschwerde ein.
Das Urteil
Bearbeitung des Verlags, keine Aussage des Gerichts
Nach Zulassung der Revision zum BGH hob dieser das angefochtene Urteil auf und verwies die Sache an das Berufungsgericht zurück. Die (formelle) Wirksamkeit der Kündigung vom 29. Februar 2012 scheitere nicht daran, dass die Kündigung nur an die Beklagte und nicht auch an deren Schwester gerichtet worden sei. In dem ersten Schreiben an den Vermieter sei nämlich der Beklagten eine Empfangsvollmacht ihrer Schwester im Hinblick auf Willenserklärungen des Vermieters eingeräumt worden. Ferner ergebe sich aus dem Antwortschreiben des Vermieters, dass er sich an beide Schwestern habe wenden wollen. Die Auslegung des Berufungsgerichts schöpfe den Wortlaut des Schreibens nicht aus und verkürze auf diese Weise unzulässig deren rechtsgeschäftlichen Bedeutungsinhalt. Der objektive Erklärungsinhalt des Weiterleitungszusatzes habe einem redlichen Erklärungsempfänger nicht verborgen bleiben können.
Das Berufungsurteil sei aufzuheben; die Sache sei nicht zur Endentscheidung reif. Das Berufungsgericht werde hinsichtlich der bei der Klärung der materiellen Begründetheit der Kündigung gemäß § 564 BGB vorab zu prüfenden Frage, ob ein Eintritt der Beklagten in das Mietverhältnis gemäß § 563 Abs. 2 Satz 1 BGB als im Haushalt der verstorbenen Mieterin lebendes Kind erfolgt sei, zu bedenken haben, dass insoweit keine überspannten Anforderungen zu stellen seien. Insbesondere müsse das Kind gemäß § 563 Abs. 2 Satz 1 BGB nicht wie ein übriger Angehöriger den Haushalt zusammen mit dem verstorbenen Mieter geführt haben, sondern es reiche aus, dass es lediglich in dessen Haushalt gelebt hat.