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Keine Haftungsbeschränkung bei Gefälligkeit unter Nachbarn ohne ausdrückliche Abrede, „Urlaubsvertretung“ bei der Gartenbewässerung, Haftung aus Deliktsrecht

BGHVI ZR 467/1526.04.2016GE 2016, 909

BGB §§ 823 Abs. 1, 242

Leitsatz

häufig von der Redaktion verfasst

Zu den Anforderungen an die Annahme einer Abrede über eine Haftungsbeschränkung, wenn ein Schaden bei einem Gefälligkeitserweis unter Nachbarn entstanden ist (Bewässern des Gartens).

Sachverhalt

Wortlaut des Gerichts

1 Die Kl. nimmt den Bekl. aus übergegangenem Recht wegen eines Wasserschadens in Anspruch, der am Haus ihres Versicherungsnehmers, dem Nachbarn des Bekl., entstanden ist und den sie als Gebäudeversicherer reguliert hat.

2 Während eines Kuraufenthalts seines Nachbarn übernahm es der Bekl., dessen Haus zu versorgen und den Garten zu bewässern. Am 29. Juni 2011 bewässerte der Bekl. den Nachbargarten mit einem an eine Außenzapfstelle des Hauses montierten Wasserschlauch. Anschließend drehte er die am Schlauch befindliche Spritze zu, stellte aber nicht die Wasserzufuhr zum Schlauch ab. In der Nacht vom 29. auf den 30. Juni 2011 löste sich der weiter unter Wasserdruck stehende Schlauch aus der Spritze. In der Folge trat aus dem Schlauch eine erhebliche Menge Leitungswasser aus, lief in das Gebäude des Nachbarn und führte zu Beschädigungen im Untergeschoss. Die Kl. leistete an den Nachbarn, ihren Versicherungsnehmer, Entschädigungszahlungen. Sie macht nun aus übergegangenem Recht einen Anspruch in Höhe des Zeitwertschadens von 11.691,53 € geltend. Der Bekl. ist für Schäden bei Nachbarschaftshilfe und Gefälligkeitshandlungen privat haftpflichtversichert. Der Privathaftpflichtversicherer hat eine Regulierung abgelehnt.

3 Die Kl. meint, der Bekl. habe grob fahrlässig gehandelt, als er den Wasserhahn nicht wieder verschlossen habe. Er hafte zudem auch bei einfacher Fahrlässigkeit, da von einer Haftungsbeschränkung auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit nicht auszugehen sei.

4 Das Landgericht hat der Klage stattgegeben. Auf die Berufung des Bekl. hat das Oberlandesgericht die Klage abgewiesen. Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision beantragt die Kl. die Wiederherstellung des landgerichtlichen Urteils.

Aus den Gründen

Wortlaut des Gerichts

I. 5 Das Berufungsgericht hat einen Anspruch des Versicherungsnehmers der Kl. aus § 823 Abs. 1 BGB und damit einen Erstattungsanspruch der Kl. aus § 86 Abs. 1 Satz 1 VVG verneint. Der Schaden habe sich im Rahmen eines reinen Gefälligkeitsverhältnisses unter Nachbarn ereignet. Für den allein in Frage kommenden Anspruch aus § 823 Abs. 1 BGB liege eine stillschweigende Abrede des Bekl. und seines Nachbarn vor, wonach die Haftung des Bekl. für einfache Fahrlässigkeit ausgeschlossen sei. Eine derartige Haftungsbeschränkung könne im Wege der ergänzenden Vertragsauslegung zwar der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zufolge nur ganz ausnahmsweise und unter Hinzutreten besonderer Umstände angenommen werden. Voraussetzung sei grundsätzlich, dass der Schädiger, wäre die Rechtslage vorher zur Sprache gekommen, einen Haftungsverzicht gefordert und sich der Geschädigte dem ausdrücklichen Ansinnen einer solchen Abmachung billigerweise nicht hätte versagen können. Dabei spreche zwar das Bestehen eines Haftpflichtversicherungsschutzes auf Seiten des Schädigers regelmäßig gegen eine Haftungsbeschränkung. In Fällen einer unentgeltlichen Hilfeleistung im Rahmen eines Gefälligkeitsverhältnisses könne aber allein das Bestehen einer Haftpflichtversicherung eine Haftung des Gefälligen nicht begründen. Besondere Umstände, die die Annahme einer Haftungsbeschränkung rechtfertigten, lägen dann vor, wenn es sich um eine typisch alltägliche und unentgeltliche Gefälligkeit unter Freunden, Nachbarn und Kollegen handle und ein Schaden im Zusammenhang mit den bei der Ausübung der Gefälligkeit eigentümlichen Gefahren entstehe, der durch eine Versicherung des Geschädigten abgedeckt sei. Diese Voraussetzungen seien vorliegend erfüllt. Da bei der Inanspruchnahme einer Haftpflichtversicherung üblicherweise eine Selbstbeteiligung, eine Prämienerhöhung oder die Kündigung des Vertrages drohten, müsse sich der Gefällige auf eine Haftungsbeschränkung berufen können. Anderenfalls sei zu erwarten, dass sich kaum noch jemand zu einer solchen oder ähnlichen Hilfeleistung bereit erklären würde.

6 Der Bekl. habe nicht grob fahrlässig gehandelt. Der konkret eingetretene Schadensverlauf sei als solcher nicht ohne Weiteres für den Bekl. erkennbar gewesen. So sei es nicht so naheliegend, dass es jedem einleuchten müsse, dass das aus dem sich außerhalb des Hauses befindlichen Schlauch laufende Wasser nicht nur im Boden versickern, sondern in das Untergeschoss des Gebäudes eindringen und dort zu einem erheblichen Schaden führen würde.

II. 7 Diese Erwägungen halten der revisionsrechtlichen Nachprüfung nicht stand. Der Versicherungsnehmer der Kl. und Nachbar des Bekl. hat gegen diesen einen Anspruch aus § 823 Abs. 1 BGB, der gemäß § 86 Abs. 1 Satz 1 VVG auf die Kl. übergegangen ist. Eine Beschränkung der Haftung des Bekl. auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit liegt nicht vor.

8 1. Das Berufungsgericht ist allerdings zu Recht davon ausgegangen, dass die Versorgung des Nachbarhauses einschließlich der Bewässerung des Gartens durch den Bekl. im Rahmen eines reinen Gefälligkeitsverhältnisses erfolgte, in welchem es an einem Rechtsbindungswillen fehlt. Für den bei der Ausführung der Gefälligkeit entstandenen Schaden kommen daher keine vertraglichen, sondern nur deliktische Ansprüche in Betracht (Senatsurteil vom 9. Juni 1992 - VI ZR 49/91, VersR 1992, 1145, 1147). Das Berufungsgericht hat weiter ohne Rechtsfehler angenommen, dass der Bekl. durch das Versäumnis, am 29. Juni 2011 den Außerwasserhahn zu schließen, was zu einem Schaden am Gebäude seines Nachbarn führte, die Haftungsvoraussetzungen des § 823 Abs. 1 BGB erfüllt hat, wobei ihm jedenfalls einfache Fahrlässigkeit vorzuwerfen ist. Zutreffend ist das Berufungsgericht ferner davon ausgegangen, dass gesetzliche Haftungsbeschränkungen, insbesondere solche, die für unentgeltliche Verträge gelten (z. B. §§ 521, 599, 690 BGB), auf die deliktische Haftung im Rahmen der unentgeltlichen Nachbarschaftshilfe nicht, auch nicht entsprechend, anwendbar sind. Dagegen spricht neben den grundsätzlichen Bedenken, dass es an einer echten Anspruchskonkurrenz zwischen deliktischen und vertraglichen Ansprüchen fehlt (vgl. hierzu Senatsurteil vom 9. Juni 1992 - VI ZR 49/91, aaO., 1147), schon die Tatsache, dass es für den ebenfalls unentgeltlichen Auftrag als vertragliche Entsprechung zur Hilfe unter Nachbarn eine gesetzliche Haftungsbeschränkung nicht gibt.

9 2. Die Revision wendet sich aber mit Erfolg gegen die Beurteilung des Berufungsgerichts, dass im Wege der ergänzenden Vertragsauslegung von einer Abrede des Bekl. und seines Nachbarn auszugehen sei, nach der die Haftung des Bekl. für einfache Fahrlässigkeit ausgeschlossen sei.

10 a) Es kann nicht ohne Weiteres angenommen werden, dass jemand, dem eine Gefälligkeit erwiesen wird, auf deliktische Schadensersatzansprüche verzichtet (Senatsurteil vom 9. Juni 1992 - VI ZR 49/91, aaO., 1147). Eine Haftungsbeschränkung kann sich allerdings im Wege ergänzender Vertragsauslegung auf der Grundlage des § 242 BGB ergeben (Senatsurteil vom 10. Februar 2009 - VI ZR 28/08, VersR 2009, 558 Rn. 13 m.w.N.). Nach der ständigen Rechtsprechung des erkennenden Senats kann eine solche Beschränkung aber nur ausnahmsweise bei Vorliegen besonderer Umstände angenommen werden; denn sie stellt eine künstliche Rechtskonstruktion aufgrund einer Willensfiktion dar, da sie von einem Haftungsverzicht ausgeht, an den beim Abschluss der Abrede niemand gedacht hat (Senatsurteile vom 13. Juli 1993 - VI ZR 278/92, VersR 1993, 1092, 1093; vom 9. Juni 1992 - VI ZR 49/91, aaO., 1147). Voraussetzung ist grundsätzlich, dass der Schädiger, wäre die Rechtslage vorher zur Sprache gekommen, einen Haftungsverzicht gefordert und sich der Geschädigte dem ausdrücklichen Ansinnen einer solchen Abmachung billigerweise nicht hätte versagen dürfen (Senatsurteil vom 10. Februar 2009 - VI ZR 28/08, aaO., Rn. 16 m.w.N.; vom 18. Dezember 1979 - VI ZR 52/78, VersR 1980, 426, 427; vom 14. November 1978 - VI ZR 178/77, VersR 1979, 136, 137). An diesen Voraussetzungen fehlt es regelmäßig, wenn der Schädiger gegen Haftpflicht versichert ist. Denn eine Haftungsbeschränkung, die nicht den Schädiger, sondern den Haftpflichtversicherer entlastet, entspricht in der Regel nicht dem Willen der Beteiligten (vgl. Senatsurteile vom 10. Februar 2009 - VI ZR 28/08, aaO., Rn. 16; vom 13. Juli 1993 - VI ZR 278/92, aaO., 1093; vom 9. Juni 1992 - VI ZR 49/91, aaO., 1147). Für die Annahme eines Haftungsverzichts genügt es ferner nicht, dass der Schaden bei einem Gefälligkeitserweis entstanden ist und zwischen Schädiger und Geschädigtem enge persönliche Beziehungen bestehen (Senatsurteile vom 8. Januar 1965 - VI ZR 234/63, BGHZ 43, 72, 76 f.; vom 27. November 1979 - VI ZR 267/78, BGHZ 76, 32, 34 f.; vom 15. Januar 1980 - VI ZR 191/78, VersR 1980, 384, 385; vom 9. Juni 1992 - VI ZR 49/91, aaO., 1147; vom 10. Februar 2009 - VI ZR 28/08, aaO., Rn. 16). Erforderlich ist vielmehr grundsätzlich, dass der Schädiger keinen Haftpflichtversicherungsschutz genießt, für ihn ein nicht hinzunehmendes Haftungsrisiko bestehen würde und darüber hinaus besondere Umstände vorliegen, die im konkreten Fall einen Haftungsverzicht als besonders nahe liegend erscheinen lassen (Senatsurteile vom 10. Februar 2009 - VI ZR 28/08, aaO., Rn. 16; vom 13. Juli 1993 - VI ZR 278/92, aaO., 1093).

11 b) Ob der Tatrichter nach diesen Grundsätzen zu Recht eine Haftungsbeschränkung im Wege der ergänzenden Vertragsauslegung angenommen hat, ist mit der Revision nur eingeschränkt angreifbar. Dies gehört grundsätzlich zum Bereich der tatrichterlichen Feststellung und ist revisionsrechtlich nur daraufhin überprüfbar, ob das Berufungsgericht Auslegungs- und Ergänzungsregeln oder Denk- und Erfahrungssätze verletzt oder wesentliche Umstände unbeachtet gelassen hat (vgl. Senatsurteil vom 10. Februar 2009 - VI ZR 28/08, aaO., Rn. 17; BGH, Urteil vom 30. März 1990 - V ZR 113/89, BGHZ 111, 110, 115).

12 c) Dies ist hier der Fall. Das Berufungsgericht hat zwar richtig gesehen, dass die Tatsache, dass der Bekl. für Schäden bei Nachbarschaftshilfe und Gefälligkeitshandlungen privat haftpflichtversichert ist, ein Umstand ist, der regelmäßig gegen die Annahme einer Haftungsbeschränkung spricht. Rechtsfehlerhaft ist allerdings die weitere Begründung des Berufungsgerichts, dass allein das Bestehen einer Haftpflichtversicherung eine Haftung des Gefälligen nicht begründen könne. Denn begründet wird die Haftung vorliegend allein durch § 823 Abs. 1 BGB, während das Bestehen einer Haftpflichtversicherung auf Seiten des Schädigers für die Frage von Bedeutung ist, ob die Haftung abweichend von der gesetzlichen Regelung ausnahmsweise wirksam beschränkt worden ist. Für die Annahme einer Haftungsbeschränkung genügt auch nicht der vom Berufungsgericht als besonders bezeichnete Umstand, dass es sich vorliegend um eine alltägliche und unentgeltliche Gefälligkeit unter Nachbarn handelt. Wie ausgeführt, rechtfertigt selbst der Gefälligkeitserweis in einer engen persönlichen Beziehung nicht ohne Weiteres die Annahme eines Haftungsverzichts. Es fehlt vorliegend ferner an der Voraussetzung eines nicht hinzunehmenden Haftungsrisikos. Wie das Berufungsgericht selbst anführt, birgt das Bewässern eines Gartens durch den Nachbarn wie jedes Tätigwerden für einen anderen Gefahrenmomente, ohne vordergründig gefahrgeneigt zu sein.

Schließlich rechtfertigt der Umstand, dass der Schaden durch die Gebäudeversicherung bei der Kl. abgedeckt ist, nicht den Schluss auf eine Haftungsbeschränkung (vgl. BGH, Urteil vom 30. April 1959 - II ZR 126/57, BGHZ 30, 40, 48; Grüneberg in Palandt, BGB, 75. Auflage, § 276 Rn. 37). Der deliktische Ersatzanspruch des Versicherungsnehmers der Kl. gegen den Bekl. als Schadensverursacher wird durch die Gebäudeversicherung nicht berührt; er ging, soweit eine Schadensregulierung durch die Kl. erfolgte, gemäß § 86 Abs. 1 Satz 1 VVG auf diese über. Die Willensfiktion einer Haftungsbeschränkung ginge demgegenüber im Ergebnis zu Lasten der Kl. und würde das Haftungsrisiko von dem Verursacher des Schadens und dessen Haftpflichtversicherung ungerechtfertigt auf die Versicherung des Geschädigten verschieben.

III. 13 Danach ist das Berufungsurteil aufzuheben, ohne dass es darauf ankommt, ob dem Bekl. grobe oder einfache Fahrlässigkeit zur Last zu legen ist. Der Senat hat in der Sache selbst zu entscheiden, weil die Aufhebung des Urteils nur wegen Rechtsverletzung bei der Anwendung des Gesetzes auf den festgestellten Sachverhalt erfolgt und nach Letzterem die Sache zur Endscheidung reif ist (§ 563 Abs. 3 ZPO). Die Berufung des Bekl. gegen das Urteil des Landgerichts ist zurückzuweisen.

Leitsatz

häufig von der Redaktion verfasst

Vorsicht vor zu viel Hilfsbereitschaft unter Nachbarn, besonders in der Urlaubszeit! Wer dem Nachbarn bei dessen Abwesenheit den Rasen sprengt und die Blumen gießt, haftet, wenn dabei ein Schaden am Nachbargrundstück entsteht. Einfache Fahrlässigkeit reicht dafür schon aus. Bevor man Nachbarn solche Gefälligkeiten erweist, sollten die einen Haftungsverzicht unterschreiben.

Der Fall

Bearbeitung des Verlags, keine Aussage des Gerichts

Während eines Kuraufenthalts seines Nachbarn übernahm es der Beklagte, dessen Haus zu versorgen und den Garten mit einem an eine Außenzapfstelle des Hauses montierten Wasserschlauch zu bewässern. An einem Tag drehte er zwar die am Schlauch befindliche Spritze zu, stellte aber nicht die Wasserzufuhr zum Schlauch ab. In der Nacht darauf löste sich der weiter unter Wasserdruck stehende Schlauch aus der Spritze, und deshalb liefen erhebliche Mengen Leitungswasser aus und in das Gebäude des Nachbarn, was zu Beschädigungen im Untergeschoss führte. Die Gebäudeversicherung des Nachbarn (die Klägerin) regulierte den Schaden und verlangte aus übergegangenem Recht vom Beklagten 11.691,53 €. Der Beklagte ist zwar gegen Schäden bei Nachbarschaftshilfe und Gefälligkeitshandlungen privat haftpflichtversichert, doch seine Privathaftpflichtversicherung hat eine Schadensregulierung abgelehnt.

Die Klägerin vertritt die Ansicht, der Beklagte habe grob fahrlässig gehandelt, als er den Wasserhahn nicht wieder verschlossen habe. Außerdem hafte er auch schon bei einfacher Fahrlässigkeit, da von einer Haftungsbeschränkung auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit nicht auszugehen sei. Das Landgericht hat der Klage stattgegeben, auf die Berufung des Beklagten hin hat das OLG sie abgewiesen. Die zugelassene und von der Klägerin eingelegte Revision führte zur Wiederherstellung des landgerichtlichen Urteils. Mit anderen Worten: Der gutmütige Nachbar muss zahlen, kann sich aber das Geld wiederum von seiner Haftpflichtversicherung holen.

Das Urteil

Bearbeitung des Verlags, keine Aussage des Gerichts

Anders als das OLG ist der BGH der Auffassung, dass der Nachbar (und damit dessen Versicherung) gegen den Beklagten einen Anspruch aus § 823 Abs. 1 BGB hat. Nach dieser Vorschrift ist schadensersatzpflichtig, wer vorsätzlich oder fahrlässig u. a. das Eigentum eines anderen widerrechtlich verletzt. Die Haftung des hilfsbereiten Nachbarn sei auch nicht auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränkt gewesen.

Das OLG sei allerdings zu Recht davon ausgegangen, dass die Versorgung des Nachbarhauses einschließlich der Bewässerung des Gartens durch den Beklagten im Rahmen eines reinen Gefälligkeitsverhältnisses erfolgte. Mithin kämen für den bei der Ausführung der Gefälligkeit entstandenen Schaden keine vertraglichen Ansprüche in Betracht, wohl aber hafte der Nachbar nach Deliktrecht.

Zutreffend sei auch, dass dem Beklagten jedenfalls einfache Fahrlässigkeit vorzuwerfen sei, weil er den Außenwasserhahn nicht wieder zugedreht habe. Zutreffend habe das OLG auch angenommen, dass gesetzliche Haftungsbeschränkungen, insbesondere die für unentgeltliche Verträge geltenden (beispielsweise haften Schenker oder Verleiher nur bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit, §§ 521, 599 BGB), auf die deliktische Haftung im Rahmen der unentgeltlichen Nachbarschaftshilfe nicht, auch nicht entsprechend, anwendbar seien.

Zu Unrecht habe das OLG aber angenommen, dass im Wege einer ergänzenden Vertragsauslegung davon auszugehen sei, dass der Beklagte und sein Nachbar die Haftung des Beklagten für einfache Fahrlässigkeit ausgeschlossen hätten.

Es könne, so der BGH, nicht ohne Weiteres angenommen werden, dass jemand, dem eine Gefälligkeit erwiesen wird, auf deliktische Schadensersatzansprüche (siehe Kasten oben) verzichte. Für die Annahme einer Haftungsbeschränkung genüge auch nicht der vom OLG als besonders bezeichnete Umstand, dass es sich vorliegend um eine alltägliche und unentgeltliche Gefälligkeit unter Nachbarn handele. Selbst eine Gefälligkeit in einer engen persönlichen Beziehung rechtfertige nicht ohne Weiteres die Annahme eines Haftungsverzichts.

Zwar könne sich eine Haftungsbeschränkung im Wege ergänzender Vertragsauslegung nach § 242 BGB (Treu und Glaube) ergeben, komme nach ständiger Rechtsprechung aber nur ausnahmsweise in Betracht, denn sie stelle eine künstliche Rechtskonstruktion aufgrund eines fiktiven beiderseitigen Willens dar, die von einem Haftungsverzicht ausgehe, an den beim Abschluss der Abrede (Nachbarschaftshilfe) niemand gedacht habe.

Voraussetzung für eine ergänzende Vertragsauslegung sei grundsätzlich, dass der – im Deliktsrecht so genannte – Schädiger, wäre die Rechtslage vorher zur Sprache gekommen, einen Haftungsverzicht gefordert und sich der Geschädigte dem ausdrücklichen Ansinnen einer solchen Abmachung billigerweise nicht hätte versagen dürfen. An diesen Voraussetzungen fehle es aber regelmäßig, wenn der Schädiger gegen Haftpflicht versichert ist. Denn eine Haftungsbeschränkung, die nicht den Schädiger, sondern den Haftpflichtversicherer entlaste, entspreche in der Regel nicht dem Willen der Beteiligten.

Für die Annahme eines Haftungsverzichts sei grundsätzlich erforderlich,

■ dass der Schädiger nicht haftpflichtversichert sei,

■ für ihn ein nicht hinzunehmendes Haftungsrisiko bestehe

■ und darüber hinaus besondere Umstände im konkreten Fall einen Haftungsverzicht als besonders naheliegend erscheinen ließen.

Im konkreten Fall sei der Schädiger

1. haftpflichtversichert gewesen,

2. habe kein nicht hinzunehmendes Haftungsrisiko bestanden, denn das Bewässern eines Gartens durch den Nachbarn berge wie jede andere Tätigkeit zwar Gefahren, besonders gefährlich sei das aber nicht.

Dass der entstandene Schaden durch die Gebäudeversicherung abgedeckt sei, lasse auch nicht den Schluss auf eine Haftungsbeschränkung zu. Der deliktische Ersatzanspruch des Nachbarn gegen den Beklagten als Schädiger werde durch die Gebäudeversicherung nicht berührt.