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Kein Rückholrecht für abgegebene Stimmen

BGHV ZR 254/1113.07.2012GE 2012, 1382

BGB § 130 Abs. 1 Satz 2

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Kein Rückholrecht für abgegebene Stimmen; kein Widerruf der Stimmabgabe; Wohnungseigentümerversammlung

Leitsatz

häufig von der Redaktion verfasst

Die in der Eigentümerversammlung abgegebene Stimme kann nach ihrem Zugang bei dem Versammlungsleiter nicht mehr widerrufen werden.

Sachverhalt

Wortlaut des Gerichts

1 Die Parteien sind die Mitglieder einer Wohnungseigentümergemeinschaft. In der Eigentümerversammlung vom 16. Juli 2010 stimmten die Wohnungseigentümer mit Stimmzetteln über den Beschlussantrag ab, der Verwalterin eine Zusatzvergütung für die Aufarbeitung der Verwaltungsunterlagen in Höhe von insgesamt 3.311,18 € zuzubilligen. Die Beiratsvorsitzende öffnete die abgegebenen Stimmzettel, während die Verwalterin die ihr mitgeteilten Ergebnisse in eine Excel-Tabelle eintrug. Zwei Wohnungseigentümer, die auf ihren bereits abgegebenen Stimmzetteln zunächst Nein angekreuzt hatten, änderten dies zu einem zwischen den Parteien strittigen Zeitpunkt unter Rückforderung ihres Stimmzettels in eine Ja-Stimme und eine Enthaltung ab. Unter Berücksichtigung der geänderten Stimmen verkündete die Versammlungsleiterin, eine Angestellte der Verwalterin, den Antrag als angenommen, da mehr als zwei Drittel der Wohnungseigentümer für den Beschlussantrag gestimmt hätten.

2 Das Amtsgericht hat der dagegen gerichteten Anfechtungsklage stattgegeben, das Landgericht hat sie abgewiesen. Dagegen richtet sich die zugelassene Revision der Kl., mit der sie eine Wiederherstellung des erstinstanzlichen Urteils begehren. Die Bekl. beantragen die Zurückweisung des Rechtsmittels.

Aus den Gründen

Wortlaut des Gerichts

I. 3 Nach Auffassung des Berufungsgerichts kann die Stimmabgabe bis zur Feststellung und Verkündung eines Beschlussergebnisses widerrufen werden. § 130 Abs. 1 Satz 2 BGB sei auf die Stimmabgabe nicht anzuwenden. Die Vorschrift schütze das Vertrauen in den Bestand von zugegangenen Willenserklärungen. Ein solcher Schutz sei bei der Stimmabgabe in der Wohnungseigentümerversammlung nicht notwendig, da der Beschluss rechtswirksam erst mit der Feststellung und Verkündung des Beschlussergebnisses zustande komme. Dass vor Rückforderung der Stimmzettel bereits ein Beschlussergebnis verkündet gewesen sei, hätten die Kl. nicht beweisen können; denn das Berufungsgericht habe sich keine Überzeugung darüber bilden können, welche der für sich genommen jeweils glaubhaften Aussagen der von dem Amtsgericht vernommenen Zeugen der Wahrheit entspreche.

II. 4 Dies hält rechtlicher Nachprüfung nicht stand.

5 1. Rechtsfehlerfrei geht das Berufungsgericht zwar davon aus, dass die von den Wohnungseigentümern abgegebenen Einzelstimmen empfangsbedürftige Willenserklärungen gegenüber dem Versammlungsleiter sind, auf die die allgemeinen zivilrechtlichen Regeln Anwendung finden (Senat, Beschluss vom 19. September 2002 - V ZB 37/02, BGHZ 152, 63, 67 = GE 2002, 1494). Die in der Eigentümerversammlung unter Anwesenden abgegebene Stimme wird daher entsprechend § 130 Abs. 1 Satz 1 BGB wirksam, wenn der Versammlungsleiter sie zur Ermittlung des Abstimmungsergebnisses zur Kenntnis nimmt (vgl. BGH, Urteil vom 25. Januar 1989 - IV b ZR 44/88, NJW 1989, 1728, 1729; Wenzel in Immobilienrecht 2002, S. 23, 38). Handelt es sich - wie hier - um eine in Form von Stimmzetteln verkörperte Willenserklärung unter Anwesenden, liegt ein Zugang vor, wenn sie durch Übergabe in den Herrschaftsbereich des Versammlungsleiters als Empfänger gelangt (vgl. BGH, Urteil vom 15. Juni 1998 - II ZR 40/97, NJW 1998, 3344 m.w.N.). Damit waren die beiden später geänderten Stimmen bereits mit der Abgabe des ausgefüllten Stimmzettels bei den von der Versammlungsleiterin mit der Auszählung und Ermittlung des Abstimmungsergebnisses betrauten Personen zugegangen und wirksam geworden. Auf den Zeitpunkt der Verlesung der Stimmzettel und Eintragung des Stimmergebnisses in die Excel-Tabelle kommt es für den Zugang nicht an.

6 2. Unzutreffend ist aber die Auffassung des Berufungsgerichts, dass die Stimmabgabe auch noch nach ihrem Zugang bei dem Versammlungsleiter bis zur Verkündung des Abstimmungsergebnisses wirksam widerrufen werden kann.

7 a) Die Frage, bis zu welchem Zeitpunkt eine Stimmabgabe widerrufen werden kann, wird unterschiedlich beantwortet. Nach überwiegender Auffassung kommt ein Widerruf der Stimme gemäß § 130 Abs. 1 Satz 2 BGB nur bis zu ihrem Zugang bei dem Versammlungsleiter in Betracht (Merle in Bärmann, WEG, 11. Aufl., § 23 Rn. 31; Staudinger/Bub, BGB [2005], § 23 WEG Rn. 69; Wenzel, in Immobilienrecht [2002] 23, 38; Müller, ZWE 2000, 237, 245; Armbrüster ZWE 2000, 455, 456). Nach anderer Auffassung ist ein Widerruf der Einzelerklärung jedenfalls bis zur Abgabe der letzten Stimme möglich, da bis dahin der Abstimmungsvorgang noch nicht beendet sei (Erman/Grziwotz, BGB, 13. Aufl., § 23 BGB Rn. 2). Nach einer weiteren Meinung kann die Stimmabgabe bis zur Feststellung und Verkündung des Beschlusses widerrufen werden. Denn ein Beschluss komme erst mit seiner Feststellung und einer an alle Wohnungseigentümer gerichteten Mitteilung des Beschlussergebnisses zustande. Es gebe keinen Anlass, einen Wohnungseigentümer vor dieser Mitteilung an seine Stimmabgabe endgültig zu binden. Diese könne keine selbständige Regelungswirkung entfalten, solange es keinen Beschluss gebe (Elzer in Jennißen, WEG, 3. Aufl., Vor §§ 23 bis 25 Rn. 47).

8 b) Der Senat hält die Auffassung der herrschenden Meinung, wonach die Stimmabgabe nach ihrem Zugang bei dem Versammlungsleiter nicht mehr widerrufen werden kann, für zutreffend. Hierfür spricht die Regelung des § 130 Abs. 1 BGB, die auf die Stimmabgabe als unter Anwesenden abgegebene empfangsbedürftige Willenserklärung sinngemäß Anwendung findet. Nach § 130 Abs. 1 Satz 1 BGB wird eine Willenserklärung mit ihrem Zugang wirksam und bindet den Erklärenden (vgl. § 145 Abs. 1 BGB), weshalb ein Widerruf der Erklärung nach § 130 Abs. 1 Satz 2 BGB ab diesem Zeitpunkt ausscheidet. Soweit das Berufungsgericht darauf hinweist, dass Willenserklärungen im Rahmen der §§ 929, 873 Abs. 2 BGB mit Zugang auch noch keine Bindungswirkung entfalteten, vermag hieraus eine Ausnahme für die Stimmabgabe nicht hergeleitet zu werden. Die Bestimmung des § 873 Abs. 2 BGB, die die Unwiderruflichkeit der dinglichen Einigung vor der Eintragung von der Beobachtung gewisser Förmlichkeiten abhängig macht, soll übereilte und leichtfertige Verfügungen über Grundstücksrechte verhindern (Senat, Urteil vom 25. Januar 1967 - V ZR 172/65, BGHZ 46, 398, 399). Gründe für eine Übertragung dieses Rechtsgedankens auf die Stimmabgabe in der Eigentümerversammlung sind nicht ersichtlich. Auch der Umstand, dass der Beschluss rechtswirksam erst mit der Feststellung und Verkündung des Beschlussergebnisses zustande kommt, rechtfertigt nicht die freie Widerruflichkeit der Stimmabgabe bis zu diesem Zeitpunkt; denn dann müssten auch Vertragsangebote nach §§ 145 ff. BGB, die allein keinen Vertrag zustande bringen, jederzeit widerruflich sein (vgl. Prüfer, Schriftliche Beschlüsse, gespaltene Jahresabrechnungen, S. 140). Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts besteht auch kein praktisches Bedürfnis, hinsichtlich der Stimmabgabe in der Eigentümerversammlung von der Regelung des § 130 Abs. 1 Satz 2 BGB abzuweichen. Ließe man einen Widerruf der Stimmabgabe bis zur Verkündung des Beschlussergebnisses zu, könnte die Feststellung eines Ergebnisses - insbesondere bei großen Eigentümergemeinschaften - erschwert oder gar unmöglich gemacht werden. Man bedenke nur den Fall, dass der Versammlungsleiter bereits mit der Zählung der Stimmen begonnen hat und, ehe er fertig ist, einige Mitglieder, die er schon gezählt hat, ihre Stimmen widerrufen. Es muss daher einen Zeitpunkt geben, ab dem der Versammlungsleiter damit beginnen kann, das Beschlussergebnis verbindlich festzustellen (Bartholomeyczik, ZHR 205, 293, 327). Dies ist entsprechend § 130 Abs. 1 Satz 1 BGB der Zeitpunkt des Zugangs der jeweiligen Stimme bei dem Versammlungsleiter.

9 c) Mit dem Zugang konnten die beiden Stimmabgaben daher nicht mehr wirksam widerrufen werden und hätten in ihrer ursprünglichen Fassung bei der Ermittlung des Abstimmungsergebnisses Eingang finden müssen.

10 3. Da der Zeitpunkt der Feststellung und Verkündung des Beschlussergebnisses für einen wirksamen Widerruf der Stimmabgabe nicht maßgeblich ist, kommt es nicht darauf an, dass die in diesem Zusammenhang von dem Berufungsgericht vorgenommene Beweiswürdigung verfahrensfehlerhaft ist. Die Revision rügt zu Recht, dass das Berufungsgericht entgegen § 529 Abs. 1 Nr. 1, § 398 Abs. 1 ZPO die erstinstanzlich vernommenen Zeugen nicht erneut vernommen hat. Das Amtsgericht hat sich zur Glaubwürdigkeit der Zeugen in dem von dem Berufungsgericht als erheblich erachteten Punkt nicht geäußert. Da dem Berufungsgericht objektive Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der einen oder anderen Aussage fehlten, kam es entscheidend auf die Glaubwürdigkeit der Zeugen an. Deren Beurteilung konnte nur dadurch erfolgen, dass sich das Berufungsgericht durch erneute Vernehmung einen eigenen, unmittelbaren Eindruck von den Zeugen verschaffte (vgl. Senat, Urteil vom 8. Februar 1985 - V ZR 253/83, NJW-RR 1986, 285, 286).

11 4. Das Berufungsurteil ist aufzuheben (§ 562 Abs. 1 ZPO) und die Sache an das Berufungsgericht zurückzuverweisen, da der Rechtsstreit nicht zur Endentscheidung reif ist (§ 563 Abs. 3 ZPO).

12 Eine Ungültigerklärung des Beschlusses aufgrund des Auszählungsfehlers kommt nur in Betracht, wenn sich bei korrekter Ermittlung des Abstimmungsergebnisses für den zugrunde liegenden Beschlussantrag nicht die erforderliche Mehrheit gefunden hat (vgl. Merle in Bärmann, WEG, 11. Aufl., § 23 Rn. 177). Hierzu hat das Berufungsgericht von seinem Standpunkt aus folgerichtig keine Feststellungen getroffen.

Leitsatz

häufig von der Redaktion verfasst

Die in der Versammlung abgegebene Stimme kann nach ihrem Zugang beim Versammlungsleiter nicht mehr widerrufen werden.

Der Fall

Bearbeitung des Verlags, keine Aussage des Gerichts

In der Eigentümerversammlung stimmten die Wohnungseigentümer mit Stimmzetteln über den Beschlussantrag ab, der Verwalterin eine Zusatzvergütung zu bewilligen. Die Beiratsvorsitzende öffnete die abgegebenen Stimmzettel, während die Verwalterin die ihr mitgeteilten Ergebnisse in eine Excel-Tabelle eintrug. Zwei Wohnungseigentümer, die auf ihren bereits abgegebenen Stimmzetteln zunächst Nein angekreuzt hatten, änderten dies zu einem zwischen den Parteien streitigen Zeitpunkt unter Rückforderung ihres Stimmzettels in eine Ja-Stimme und eine Enthaltung ab. Unter Berücksichtigung der geänderten Stimmen verkündete die Versammlungsleiterin den Antrag als angenommen. Das AG hat der Anfechtungsklage stattgegeben, das LG hat sie abgewiesen, jedoch die Revision an den BGH zugelassen.

Das Urteil

Bearbeitung des Verlags, keine Aussage des Gerichts

Der BGH hebt das Urteil auf und verweist die Sache zurück an das LG. Die von den Wohnungseigentümern abgegebenen Einzelstimmen werden wirksam, wenn der Versammlungsleiter sie zur Ermittlung des Abstimmungsergebnisses zur Kenntnis nimmt. Handelt es sich wie hier um Stimmzettel, liegt ein Zugang vor, wenn sie durch Übergabe in den Herrschaftsbereich des Versammlungsleiters gelangen. Danach ist die Stimmabgabe nicht mehr widerruflich. Entsprechend § 130 Abs. 1 Satz 1 BGB wird eine Willenserklärung mit ihrem Zugang wirksam und bindet den Erklärenden, weshalb ein Widerruf ausscheidet. Die abweichenden Bestimmungen in §§ 929, 873 Abs. 2 BGB stellen Sonderregelungen dar, die auf die Stimmabgabe in der Eigentümerversammlung nicht übertragbar sind. Müsste der Versammlungsleiter bis zur Verkündung des Beschlussergebnisses mit Widerrufserklärungen rechnen, könnte er eine Auszählung insbesondere bei größeren Eigentümergemeinschaften nicht ordnungsgemäß durchführen.

Anmerkung

Bearbeitung des Verlags, keine Aussage des Gerichts

Die BGH-Entscheidung ist für den (Ausnahme-) Fall – Abstimmung durch Stimmzettel und Zugang der Stimmzettel durch deren Einsammeln – zutreffend. Andere Fragen stellen sich, wenn im Normalfall durch Handheben oder bei namentlicher Abstimmung – durch Abfragen der Versammlungsteilnehmer abgestimmt wird.

Der BGH knüpft an seine Grundsatzentscheidung (BGHZ 152, 63 = GE 2002, 1494) an: Die Stimmabgabe ist als empfangsbedürftige Willenserklärung gegenüber dem Versammlungsleiter abzugeben; darauf finden die allgemeinen zivilrechtlichen Regeln einschließlich der zur Anfechtbarkeit wegen Willensmängeln (§§ 119 ff. BGB) Anwendung. Das Wirksamwerden derartiger Willenserklärungen unter Anwesenden regelt das Gesetz in § 130 BGB unmittelbar nicht. Dort ist nur bestimmt, wann eine Willenserklärung, die einem Abwesenden gegenüber abzugeben ist, wirksam wird, nämlich in dem Zeitpunkt, in welchem sie diesem zugeht. Soll etwa ein schriftlicher Umlaufbeschluss unter den (abwesenden) Wohnungseigentümern gefasst werden, ist also der Widerruf zumindest so lange möglich, bis der Letzte unterschrieben hat, oder vielleicht auch, bis die notwendige Verkündung stattgefunden hat.

Für Erklärungen unter Anwesenden ist zu unterscheiden zwischen verkörperten Willenserklärungen (hier: Stimmzettel) und nicht verkörperten, mündlichen oder konkludenten Erklärungen. Schwierig wird das Wirksamwerden oder spiegelbildlich die Beurteilung der Widerrufsmöglichkeit, wenn es sich um nicht verkörperte mündliche oder konkludente Erklärungen in der Eigentümerversammlung handelt. Diese werden wirksam, wenn der Versammlungsleiter sie „wahrnimmt", was immer das bei einer Abstimmung heißen mag. Wird also die wohl gebräuchlichste Methode angewandt, dass durch Handzeichen abgestimmt wird, stellt sich schon die Frage, ob der Zeitpunkt maßgebend ist, in dem der Versammlungsleiter die gehobenen Hände bemerkt, oder erst, wenn er sie einzeln auszählt, wobei dann eventuell sogar der Blickkontakt mit den bereits ausgezählten Teilnehmern maßgebend wäre. Es könnte ja auch sein, dass nach Auszählung einer ausreichenden Mehrheit der weitere Zählvorgang abgebrochen und die Verkündung dennoch anhand der bereits eindeutig festgestellten Mehrheit getroffen wird. Ob sich der Zeitpunkt des Zugangs unter diesen Umständen in einer gerichtlichen Beweisaufnahme immer zuverlässig feststellen lässt, darf füglich bezweifelt werden. Etwas einfacher ist es wiederum, wenn bei einer namentlichen Abstimmung die Teilnehmer einzeln abgefragt werden und die Antwort in eine Tabelle eingetragen wird. Hier ist der Zugang mit der Verlautbarung des Willens anzunehmen.

Damit enden aber die Schwierigkeiten bei den normalen Abstimmungen nicht. Denn nach der zitierten BGH-Entscheidung besteht die Möglichkeit, die Stimmabgabe wegen Irrtums oder arglistiger Täuschung anzufechten. Die Irrtumsanfechtung muss unverzüglich nach Entdeckung des Irrtums, die Arglistanfechtung innerhalb eines Jahres nach Kenntnis der Täuschung erfolgen. Nach der Rechtsprechung kann dies sogar nach Ablauf der Anfechtungsfrist für Eigentümerbeschlüsse geschehen und die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand rechtfertigen. So hat das BayObLG (NJW 2002, 71) die Arglistanfechtung nach Ablauf der Anfechtungsfrist im Falle der Zustimmung zu einer baulichen Veränderung zugelassen, weil der durch den Umbau begünstigte Wohnungseigentümer die anderen über den Einbau von Glastüren in die Hausfront, um die Nutzung eines Ladens für gastronomische Zwecke zu ermöglichen, nicht offengelegt hatte. Wenn aber diese Anfechtungsmöglichkeiten sogar nach Ablauf der Anfechtungsfrist gegeben sind, kann die Anfechtung selbstverständlich auch früher erfolgen und damit sowohl vor wie nach der Verkündung des Zustandekommens eines Eigentümerbeschlusses.

Ein rechtskundiger Eigentümer hätte also seine Stimmabgabe auch durch Stimmzettel wirksam widerrufen können, wenn er den Versammlungsleiter darauf aufmerksam gemacht hätte, dass seine bisherige Willensbekundung durch einen Irrtum beeinflusst worden ist.

Ohne dass es im Ergebnis darauf ankommt, hat der BGH darauf hingewiesen, dass das LG die vom AG vernommenen Zeugen erneut hätte vernehmen müssen, wenn es auf deren Glaubwürdigkeit ankommt und das AG sich dazu nicht vollständig geäußert hat. Bevor über die Ordnungsmäßigkeit des Eigentümerbeschlusses entschieden werden kann, muss das LG nun zunächst das Abstimmungsergebnis korrekt ermitteln.