Duldungsanspruch bei einer vom Grundbuchinhalt abweichenden tatsächlichen Bauausführung des Sondereigentums
WEG §§ 4, 5, 7 IV; BGB § 925
Leitsätze
häufig von der Redaktion verfasst
1. Ist die Trennwand zwischen zwei Wohnungseigentumseinheiten im Dachgeschoß gegenüber dem Grundbuchinhalt in wesentlichem Umfang (hier: mehr als 4 m2) verschoben, besteht grundsätzlich ein Anspruch des benachteiligten Wohnungseigentümers gegen den bevorzugten Wohnungsnachbarn auf Duldung der Anpassung der Bauausführung an die im Grundbuch eingetragenen Grenzen des Sondereigentums (ordnungsgemäße Erstherstellung).
2. Ist die Verschiebung der Trennwand bautechnisch unmöglich oder steht der dafür erforderliche Kostenaufwand in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem Raumgewinn, besteht ein Anspruch auf finanziellen Ausgleich Zug um Zug gegen Bewilligung der Änderung der Teilungserklärung im Sinne einer Anpassung der rechtlichen Beschreibung im Aufteilungsplan an die tatsächlichen Verhältnisse.
3. Das Wohnungseigentumsgericht hat die Durchführbarkeit des Umbaus bzw. dessen Unverhältnismäßigkeit zu prüfen; hilfsweise ist auch der Ausgleichsanspruch Gegenstand des Verfahrens auf Duldung des Umbaus gegen den Wohnungsnachbarn.
Aus den Gründen
Wortlaut des Gerichts
2. Ohne Rechtsirrtum führt das Landgericht aus, daß die Antragsteller bereits Sondereigentümer der Fläche der Wohnung Nr. 17 sind, die sich gegenwärtig räumlich innerhalb der Einheit Nr. 18 befindet, und die im Zuge der abweichenden Errichtung der Einheiten Nr. 17 und 18 durch Vergrößerung der Einheit Nr. 18 zu Lasten der Einheit Nr. 17 überbaut worden ist. Durch die nach der notariellen Urkunde vom 13. September 1990, mit der die Einheiten Nr. 17 und Nr. 18 geschaffen wurden, errichteten notariellen Urkunden vom 25. September 1990 und vom 13. Februar 1991 wurde die spiegelbildliche Aufteilung des Dachgeschosses betreffend die Einheiten Nr. 17 und Nr. 18 nicht entsprechend dem späteren abweichenden Ausbauzustand des Dachgeschosses modifiziert. Der Aufteilungsplan ist insofern nicht geändert worden, ebensowenig ist dies hinsichtlich der genau gleichen Miteigentumsanteile von je 97/1000stel der Fall.
Wie sich bereits aus den Formulierungen sowohl in § 3 wie in § 8 WEG ergibt, wird die genaue Umgrenzung der Wohnungseigentumseinheiten durch die Teilungserklärung in Verbindung mit dem Aufteilungsplan und der Abgeschlossenheitsbescheinigung festgelegt, auch soweit das Sondereigentum an einer bestimmten Wohnung in einem auf dem Grundstück noch zu errichtenden Gebäude eingeräumt wird. Ausgangspunkt der Aufteilung sind also nicht die bestehenden Raumverhältnisse, sondern der Grundbuchinhalt. Sind die Räume bei Bildung des Wohnungseigentums durch Eintragung im Grundbuch tatsächlich noch nicht oder noch nicht vollständig vorhanden, entsteht Sondereigentum schrittweise mit Herstellung der betreffenden Raumeinheiten (vgl. BGH NJW 1986, 2759). Das gilt grundsätzlich auch dann, wenn die tatsächliche Bauausführung in nicht unwesentlichem Umfang vom rechtsverbindlich gewordenen Aufteilungsplan abweicht (vgl. BayObLGZ 1991, 332; BayObLG ZMR 1998, 794 = NZM 1998, 973; OLG Celle OLGZ 1981, 106 ff.). Im vorliegenden Fall beträgt die Abweichung zwischen der tatsächlichen Größe der Einheit Nr. 17 und ihrer ursprünglich geplanten Größe selbst bei Zugrundelegung der von den Antragsgegnern vorgetragenen geringeren Abweichung mindestens 4,98 m2, was nicht mehr als geringfügig bezeichnet werden kann (vgl. OLG Celle OLGZ 1981, 106). Die Abgrenzung zum Gemeinschaftseigentum ist im vorliegenden Fall zweifelsfrei; es geht nur um die Abgrenzung zwischen den Sondereigentumseinheiten Nr. 17 und Nr. 18. Die Anwendung der Regeln zum entschuldigten Überbau, wonach ein Überbau gemäß den §§ 912 ff. BGB unter bestimmten Voraussetzungen zu dulden ist, ändert nichts an der dinglichen Rechtslage der überbauten Fläche.
3. Die nicht unwesentliche Abweichung der tatsächlichen Bauausführung von dem Aufteilungsplan, der durch Bezugnahme im Grundbuch eingetragen ist, gebietet eine Lösung entweder in der Richtung, daß die tatsächlichen Verhältnisse an die Rechtslage angepaßt werden oder aber umgekehrt die Rechtslage an die tatsächlichen Verhältnisse, um ein Auseinanderklaffen auf Dauer zu vermeiden, durch das im-mer neue Streitigkeiten entstehen können. Die Lösung nach den Be-stimmungen der §§ 912 ff. BGB, die bestenfalls auf einen finanziellen Ausgleich hinausläuft, ist lediglich nachrangig im Vergleich zur ordnungsgemäßen Erstherstellung der Sondereigentumseinheiten in Natur. Wenn Wohnungseigentum richtigerweise als echtes Eigentum i. S. d. §§ 903 ff. BGB anzusehen ist, muß die Lösung vom Sachenrecht her entwickelt werden. Ebenso wie ein Grundstück das Recht darstellt, wie es im Bestandsverzeichnis eines Grundbuchblattes ver-bucht ist, ist das Wohnungseigentum ein Recht, wie es im Bestandsverzeichnis eines Wohnungsgrundbuchs eingetragen ist. Weder bei einem Grundstück noch bei einer Wohnung besteht eine Gewähr da-für, daß die mit dem Auge sichtbaren Grundstücksgrenzen bzw. die eine Wohnung begrenzenden Mauern mit der Grundbucheintragung genau übereinstimmen. Im Zweifel ist das Katasterverzeichnis bzw. der Aufteilungsplan allein maßgebend. In dem notariellen Kaufvertrag wird ein Grundstück oder eine Wohnung deshalb auch nicht nach dem äußeren Anschein bezeichnet, sondern so, wie es im Bestandsverzeichnis des Grundbuches eingetragen ist. Sowohl der schuldrechtliche Kaufvertrag wie auch die sachenrechtliche Übereignung beziehen sich nach der notariellen Urkunde einzig und allein auf das, was im Be-standsverzeichnis als Grundstücksrecht bzw. Wohnungseigentumsrecht eingetragen ist. Auch der gute Glaube an die Richtigkeit des Grundstückes kann sich nach § 892 BGB nur auf den Grundbuchinhalt gründen, nicht aber auf den äußeren Anschein des Grundstücks oder der Wohnung. Auch der Eigentumserwerb durch Umschreibung richtet sich ausschließlich nach dem eingetragenen Grundbuchinhalt. Ob sich aus dem Kaufvertrag wegen einer mißverständlichen oder widersprüchlichen Bezeichnung weitergehende Ansprüche ergeben, berührt lediglich das Verhältnis zwischen dem Käufer und Verkäufer, ist aber für den exakten Gegenstand des erworbenen Eigentums ohne Bedeutung.
4. Nach allgemeiner Auffassung stellt die erstmalige Herstellung eines dem Aufteilungsplan entsprechenden Zustandes noch keine bauliche Veränderung i. S. d. § 22 Abs. 1 WEG dar. Vielmehr handelt es sich bei der ordnungsgemäßen Erstherstellung um eine Maßnahme der Verwaltung des gemeinschaftlichen Eigentums i. S. d. § 21 Abs. 1 i. V. m. Abs. 5 Nr. 2 WEG, die nicht nur der Beschlußkompetenz der Wohnungseigentümer unterliegt, sondern im Sinne eines Individualanspruches auch von jedem Wohnungseigentümer nach § 21 Abs. 4 WEG verlangt werden kann. Im vorliegenden Fall kann dahinstehen, ob hinsichtlich der Versetzung der Trennwand zwischen den Wohnungseinheiten Nr. 17 und Nr. 18 ein Herstellungsanspruch gegenüber der Gemeinschaft besteht, zumal der planwidrige Bauzustand ohne Mitwirkung der Gemeinschaft durch den früheren Eigentümer der beiden Wohneinheiten Nr. 17 und Nr. 18 herbeigeführt worden ist. Auch wenn der Anspruch auf ordnungsgemäße Erstherstellung nicht gegen die Gemeinschaft verfolgt werden kann, ist damit nicht zugleich der Duldungsanspruch der Antragsteller gegen die Antragsgegner ausgeschlossen, wenn also die ordnungsgemäße Erstherstellung auf Kosten der Antragsteller erfolgen soll, die Verpflichtung der Antragsgegner sich also auf die schlichte Herausgabe der Sondereigentumsfläche beschränkt.
5. Ein rechtliches Hindernis für den Duldungsanspruch der Antragsteller gegen die Antragsgegner ergibt sich nicht schon daraus, daß bei gleichzeitigem Eigentum an den Wohnungen Nr. 17 und 18 durch den damaligen ausbauenden Eigentümer ein derartiger Duldungsanspruch nicht entstehen konnte, weil Schuldner und Gläubiger identisch gewesen wären. Der Anspruch auf ordnungsgemäße Erstherstellung des im Grundbuch verzeichneten Sondereigentums gemäß § 21 Abs. 4 i. V. m. Abs. 5 Nr. 2 WEG erwächst aus dem Wohnungseigentum und steht dem jeweiligen Wohnungseigentümer zu. Dabei ist es gleichgültig, ob dieser Anspruch aus § 985 BGB oder aus § 1004 BGB i. V. m. § 15 Abs. 3 WEG hergeleitet wird. Es handelt sich nicht um einen von dem Verkäufer abgeleiteten, sondern um einen dem Eigentümer aus eigenem Recht zustehenden und genaugenommen mit der Umschreibung im Grundbuch entstehenden Anspruch. Die in der Person des Verkäufers bestehende Rechtslage ist deshalb nicht vorgreiflich, weder für die Antragsteller als Eigentümer der Wohnung Nr. 17 noch für die Antragsgegner als Eigentümer der Wohnung Nr. 18.
6. Der Duldungsanspruch auf ordnungsgemäße Erstherstellung hinsichtlich der Abtrennung zwischen den beiden Wohneinheiten wird durch die Nachfolge gemäß den verschiedenen Kaufverträgen auf der Aktiv- bzw. Passivseite nicht beeinflußt. Die unterschiedlichen und widersprüchlichen Angaben zur Wohnungsgröße in Quadratmetern mögen kaufvertragliche Gewährleistungsansprüche gegen den jeweiligen Verkäufer evtl. auslösen können, sie sind aber nicht geeignet, den Kaufgegenstand, nämlich das Sondereigentum in Verbindung mit den Miteigentumsanteilen, zu erweitern oder zu beschränken. Es ist deshalb unerheblich, daß die Wohnung Nr. 17 in dem Kaufvertrag vom 12. Mai 1992 mit der Maßgabe an die Erwerberin veräußert wurde, daß "die Wohnungsgröße richtig nur ca. 128 m2 beträgt". Schon in dem nächsten Kaufvertrag mit den Eheleuten K. ist eine Angabe zur Größe der Wohnung Nr. 17 nicht enthalten. Demgegenüber wird in dem Kaufvertrag der Antragsteller wiederum die Größe der Wohnung Nr. 17 mit "ca. 132 m2" angegeben. Hieraus kann weder positiv noch negativ im Verhältnis zum Wohnungsnachbarn etwas hergeleitet werden. Dasselbe gilt für die Kaufverträge an den ersten Erwerber der Wohnung Nr. 18 und sodann für den Kaufvertrag der Antragsgegner, wo in beiden Kaufverträgen die Wohnungsgröße mit 138,5 m2 angegeben ist. Diese Angaben stimmen nicht mit der Teilungserklärung überein, die auch in der Fassung vom 25. September 1990 unverändert die Wohnungsgrößen bei den Wohnungen Nr. 17 und 18 gleichermaßen mit 132,42 m2 angibt; die letzte Änderung der Teilungserklärung vom 13. Februar 1991 betrifft andere Einzelheiten. Grundbuchinhalt und Kaufgegenstand kann also allenfalls die Beschreibung der Wohnungseigentumsrechte Nr. 17 und 18 mit der vorgenannten Wohnungsgröße sein.
7. Der Duldungsanspruch der Antragsteller gegen die Antragsgegner ist weder verjährt oder verwirkt; er stellt weder eine rechtsmißbräuchliche Ausübung dar, noch verstößt die Geltendmachung gegen Treu und Glauben. Der Störungsbeseitigungsanspruch nach § 1004 BGB unterliegt der 30jährigen Verjährung (BGHZ 125, 56 = NJW 1994, 999 = MDR 1994, 350). Dasselbe muß für den Herausgabeanspruch nach § 985 BGB gelten. Unabhängig von der Verjährung ist eine Verwirkung möglich, wenn die Störung längere Zeit geduldet worden ist unter Umständen, die ein Vertrauen in die Einwilligung begründen, wobei die Verwirkung des Anspruches durch den Verletzten auch gegenüber seinem Rechtsnachfolger gelten kann. In diesem Sinne wird gerade im Wohnungseigentum vielfach angenommen, daß etwa nachträgliche bauliche Veränderungen des gemeinschaftlichen Eigentums, die jahrelang von den Wohnungseigentümern geduldet werden, auch von einem Rechtsnachfolger hingenommen werden müssen, weil der Zustand des Gemeinschaftseigentums ohnehin Veränderungen erfahren kann und der neue Wohnungseigentümer sozusagen das Gemeinschaftseigentum in dem - sei es durch Zustimmung, sei es durch Duldung der Rechtsvorgänger - geänderten Zustand anteilig erwirbt, als sei es der ordnungsgemäße Erstzustand; aus dem Gemeinschaftsverhältnis der Wohnungseigentümer ist abzuleiten, daß diese sich innerhalb einer angemessenen Zeit je nach Bedeutung und Gewicht der baulichen Veränderung gegen diese Maßnahme wenden bzw. der Rückbauanspruch nach einer gewissen Zeit ausgeschlossen ist, zumal wenn sich der Verpflichtete auf die Nichtgeltendmachung einrichten durfte und eingerichtet hat (vgl. OLG Düsseldorf ZWE 2000, 230 = ZMR 2000, 329 = NZM 2000, 866 m. w. N.). In den bisher entschiedenen Fällen ging es um die mehr oder weniger gewichtige Veränderung des Gemeinschaftseigentums. Die dafür entwickelten Rechtsgrundsätze können nicht ohne weiteres auf die Beeinträchtigung des Sondereigentums durch Verschiebung einer Trennwand zwischen zwei Wohnungen übertragen werden. Hier ist der Kernbereich des Wohnungseigentums in besonderem Maße betroffen, insofern als ein nicht unwesentlicher Teil des Sondereigentums bei der einen Wohnung vollständig entzogen und in demselben Umfang der Nachbarwohnung zugeschlagen ist. Können die Wohnungseigentümer in bezug auf das gemeinschaftliche Eigentum durch Zustimmung, Duldung oder auch bestandskräftigen Mehrheitsbeschluß (vgl. BGH NJW 2000, 3500 = NZM 2000, 1184 = ZMR 2000, 771= ZWE 2000, 518) zugunsten und zu Lasten aller Wohnungseigentümer und ihrer Nachfolger Regelungen im Rahmen des § 22 Abs. 1 WEG treffen, weil dies jedenfalls noch aus dem Gemeinschaftsverhältnis (§§ 10 ff. WEG) gerechtfertigt sein kann, so ist den Wohnungseigentümern dies hinsichtlich des Sondereigentums aus Rechtsgründen schlechthin unmöglich. Hier geht es weder um die Verwaltung (§§ 20 ff. WEG) noch um das Gemeinschaftsverhältnis (§§ 10 ff. WEG), sondern um die sachenrechtlichen Grundlagen des Sondereigentums. Hierzu verhält sich ausschließlich § 4 WEG. Danach ist zur Einräumung und zur Aufhebung von Sondereigentum die Einigung der Beteiligten über den Eintritt der Rechtsänderung und die Eintragung in das Grundbuch erforderlich. Die Einigung bedarf der für die Auflassung vorgeschriebenen Form (§ 925 BGB). Durch diese strenge Vorschrift ist das Sondereigentum in besonderem Maße geschützt. Damit ist ausgeschlossen, daß sich die Rechtsverhältnisse am Sondereigentum durch tatsächliche Maßnahmen, durch
ntritt der Rechtsänderung und die Eintragung in das Grundbuch erforderlich. Die Einigung bedarf der für die Auflassung vorgeschriebenen Form (§ 925 BGB). Durch diese strenge Vorschrift ist das Sondereigentum in besonderem Maße geschützt. Damit ist ausgeschlossen, daß sich die Rechtsverhältnisse am Sondereigentum durch tatsächliche Maßnahmen, durch Erklärungen oder Verhaltensweisen außerhalb des Grundbuches verändern können. Die Ausübung dieses Rechts kann auch nicht mißbräuchlich sein oder gegen Treu und Glauben verstoßen, weil auch der durch die Verschiebung der Trennwand begünstigte Wohnungseigentümer sein Sondereigentum ebenfalls nach dem Kaufvertrag und der Umschreibung nur in den Grenzen des Grundbuchinhalts erworben hat, der sich auf Quadratmetergrößen aber gerade nicht erstreckt, selbst wenn solche angegeben sind. Abgesehen davon sind im vorliegenden Fall sowohl die Miteigentumsanteile als auch die in der Teilungserklärung angegebenen Quadratmetergrößen für die beiden Wohnungen Nr. 17 und 18 genau gleich groß. Nach den verfahrensfehlerfreien Feststellungen des Landgerichts ist im übrigen der Zeitraum zwischen der planwidrigen Bauausführung und dem erstmaligen Hervortreten der Antragsteller mit ihrem Änderungsanspruch auf ca. fünf Jahre zu veranschlagen, so daß ohnehin die unterste Grenze für eine Verwirkung selbst bei baulichen Veränderungen noch unterschritten wäre. Der Duldungsanspruch verstößt auch nicht gegen Treu und Glauben. Denn sowohl die Antragsteller wie auch die Antragsgegner haben gleichermaßen ihr Wohnungseigentum entsprechend dem eindeutigen Grundbuchinhalt erworben. Im Grundbuch eingetragene Rechte können sich grundsätzlich durch Veränderung und Verschiebung der tatsächlichen Verhältnisse nicht verändern.
8. Der Duldungsanspruch der Antragstellerseite gegen die Antragsgegnerseite geht im Rahmen des § 21 Abs. 4 i. V. m. Abs. 5 Nr. 2 WEG auf ordnungsgemäße Erstherstellung der Trennwand zwischen den Wohnungen Nr. 17 und Nr. 18. Soweit im Wohnungseingangsbereich zugleich auch Änderungen an dem Gemeinschaftseigentum vorgenommen worden sind, ist dies nicht zum Gegenstand des vorliegenden Verfahrens gemacht worden. Insoweit verlangen auch die Antragsteller keine Änderung. Ihr Verlangen richtet sich einzig und allein auf die Verschiebung der Trennwand zwischen den beiden Sondereigentumseinheiten. Nach den Feststellungen des Landgerichts hat es allerdings bei der Durchführung der ursprünglichen Planung entsprechend dem Aufteilungsplan Schwierigkeiten gegeben, die sogar zu einem zeitweiligen Baustopp durch das Bezirksamt geführt haben. Möglicherweise kann deshalb auch jetzt die Trennwand zwischen den Wohnungen Nr. 17 und 18 nicht genau entsprechend dem Aufteilungsplan mittig gegenüber dem Treppenhaus errichtet werden. In diesem Fall geht der Duldungsanspruch dahin, daß die Trennwand möglichst nah an die im Aufteilungsplan eingezeichnete Grenze herangeschoben wird. Ist die Wandverschiebung überhaupt bautechnisch unmöglich oder steht der dafür erforderliche Kostenaufwand in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zu dem Raumgewinn, kann allerdings der Duldungsanspruch ausgeschlossen sein. In diesem Falle bleibt nur eine finanzielle Abgeltung wegen der entstehenden unterschiedlichen Wohnungsgrößen. Im Falle einer Ausgleichszahlung ist es aber geboten, zugleich auch die Verhältnisse im Grundbuch zwischen der Antragstellerseite und der Antragsgegnerseite anzupassen, auch um künftige Streitigkeiten auszuschließen. Nach Auffassung des Senats besteht, wenn es lediglich zu einer finanziellen Abgeltung kommen sollte, dieser Anspruch nur Zug um Zug gegen Bewilligung der Änderung der Teilungserklärung im Sinne einer Anpassung der rechtlichen Beschreibung an die tatsächlichen Verhältnisse. Nach den bisherigen Feststellungen kann dies unter den Antragstellern einerseits und den Antragsgegnern andererseits bewirkt werden, ohne die anderen Wohnungseigentümer einzubeziehen, falls dies nicht wegen des Eingangsbereiches nötig ist.
9. Somit ist es erforderlich, daß die Durchführbarkeit des begehrten Umbaus bzw. dessen Unverhältnismäßigkeit noch geprüft wird. Damit sind weitere tatsächliche Ermittlungen erforderlich, die dem Senat als Rechtsbeschwerdegericht verwehrt sind. Hilfsweise ist aber auch der eventuelle Ausgleichsanspruch Gegenstand des vorliegenden Verfahrens auf Duldung des Umbaus gegen den Wohnungsnachbarn.
10. Einer Vorlage an den Bundesgerichtshof gemäß § 28 FGG bedarf es nicht. Zwar liegen die Urteile des OLG Koblenz vom 6. September 1991 (WuM 1991, 603 = WE 1992, 19 mit Anmerkung Merle S. 11) und des OLG Düsseldorf vom 23. Dezember 1987 (OLGZ 1988, 239 = NJW-RR 1998, 590 = MDR 1988, 410) vor, wonach an Teilen eines Raumes kein Sondereigentum begründet werden kann und das Sondereigentum entsprechend der tatsächlichen Bauausführung entstehen soll. Hierbei handelt es sich jedoch um Entscheidungen, die nicht im Verfahren der weiteren Beschwerde ergangen sind und deshalb nicht nach § 28 FGG zur Vorlage an den BGH führen. Zu der Frage der Entstehung des Sondereigentums bei Verschiebung der Trennwand zwischen zwei Wohnungen hat der Bundesgerichtshof - soweit ersichtlich - noch nicht Stellung genommen. Das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 30. Juni 1995 (BGHZ 130, 159 = NJW 1995, 2851 = MDR 1996, 139 = ZMR 1995, 521) befaßt sich lediglich mit dem Fall, daß Sondereigentum wegen fehlerhafter Abgrenzung (Widerspruch zwischen Teilungserklärung und Angaben im Aufteilungsplan) nicht entstanden ist und die Wohnungseigentümer verpflichtet sind, zur Beseitigung des entstandenen isolierten Miteigentumsanteils vertraglich an dem betroffenen Gebäudeteil Sondereigentum einzuräumen.
Leitsatz
häufig von der Redaktion verfasst
Nach Auffassung des Kammergerichts ist bei vom Grundbuchinhalt abweichender Bauausführung benachbarter Wohnungen vorrangig zu prüfen, ob die Tatsachen der Rechtslage angepaßt werden können, erst dann ist ein finanzieller Ausgleich Zug um Zug gegen Anpassung der Rechtslage an die Tatsachen zu prüfen.
Der Fall
Bearbeitung des Verlags, keine Aussage des Gerichts
Eine Eigentümergemeinschaft verkauft einen Dachgeschoß-Rohling und ändert die alte Teilungserklärung dahin, daß im Dachgeschoß zusätzlich zwei genau gleich große Wohnungen mit gleichen Miteigentumsanteilen entstehen sollen. Wegen bautechnischer Schwierigkeiten wird die Trennwand zwischen beiden Wohnungen um etwa 5 m2 verschoben. Der benachteiligte Wohnungseigentümer verlangt Herausgabe der ihm fehlenden Fläche.
Das Urteil
Bearbeitung des Verlags, keine Aussage des Gerichts
Ist die Trennwand zwischen zwei Wohnungseigentumseinheiten im Dachgeschoß gegenüber dem Grundbuchinhalt in wesentlichem Umfang (hier: mehr als 4 m2) verschoben, besteht grundsätzlich ein Anspruch des benachteiligten Wohnungseigentümers gegen den bevorzugten Wohnungsnachbarn auf Duldung der Anpassung der Bauausführung an die im Grundbuch eingetragenen Grenzen des Sondereigentums (ordnungsgemäße Erstherstellung). Ist die Verschiebung der Trennwand bautechnisch unmöglich oder steht der dafür erforderliche Kostenaufwand in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem Raumgewinn, besteht ein Anspruch auf finanziellen Ausgleich Zug um Zug gegen Bewilligung der Änderung der Teilungserklärung im Sinne einer Anpassung der rechtlichen Beschreibung im Aufteilungsplan an die tatsächlichen Verhältnisse. Das Wohnungseigentumsgericht hat die Durchführbarkeit des Umbaus bzw. dessen Unverhältnismäßigkeit zu prüfen; hilfsweise ist auch der Ausgleichsanspruch Gegenstand des Verfahrens auf Duldung des Umbaus gegen den Wohnungsnachbarn.