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Betriebskostenabrechnung mit Bruchteilspersonenzahl

BGHVIII ZR 181/0915.09.2010GE 2010, 1534

BGB § 556 Abs. 3 Satz 1 und 3, § 259

Leitsatz

häufig von der Redaktion verfasst

Eine Betriebskostenabrechnung nach Personenzahl ist nicht deshalb unwirksam, weil die Gesamtpersonenzahl mit einem Bruchteil angegeben ist (im Anschluss an das Senatsurteil vom 11. August 2010 - VIII ZR 45/10 -, GE 2010, 1261).

Sachverhalt

Wortlaut des Gerichts

1 Die Bekl. sind Mieter einer Wohnung des Kl. in T. Der Kl. nimmt die Bekl. auf Nachzahlung von Betriebskosten für die Jahre 2003 bis 2006 in Höhe von insgesamt 2.951,75 € in Anspruch. In den Nebenkostenabrechnungen sind die Positionen Kaltwasser, Abwasser und Müllabfuhr nach „Gesamteinheiten" von „20,39 Personen" für 2003, „17,22 Personen" für 2004, „16,06 Personen" für 2005 und „13,98 Personen" für 2006 aufgeschlüsselt, wobei auf die Bekl. jeweils „Einheiten" von „2,0" Personen entfallen.

2 So heißt es beispielsweise in der Abrechnung vom 12. Mai 2004 für den Abrechnungszeitraum 2003 zu der Position Kaltwasser:

Gesamtbetrag „1.753,15" : Gesamteinheiten „20,39 Personen" = Betrag/Einheit „85,980873" x Ihre Einheiten „2,00" = Ihre Kosten „171,96".

3 Entsprechend wurde für die Positionen Abwasser und Müllabfuhr und ebenso in den Abrechnungen der Folgejahre verfahren.

4 Das Amtsgericht hat der Klage unter Abweisung im Übrigen in Höhe von 2.253,98 € nebst Zinsen stattgegeben. Auf die Berufung der Bekl. hat das Landgericht unter Zurückweisung der weitergehenden Berufung und der Anschlussberufung des Kl. die Klage bis auf einen Betrag von 290,13 € nebst Zinsen abgewiesen. Es hat die Revision zugelassen, soweit die Klage in Höhe von 2.450,79 € nebst Zinsen wegen der Abrechnung der Positionen Kaltwasser, Abwasser und Müllabfuhr nach Personenbruchteilen abgewiesen worden ist. Im zugelassenen Umfang verfolgt der Kl. mit seiner Revision seine erstinstanzlichen Klageansprüche weiter.

Aus den Gründen

Wortlaut des Gerichts

5 Die Revision hat Erfolg.

I. 6 Das Berufungsgericht hat zur Begründung seiner Entscheidung - soweit revisionsrechtlich noch von Interesse - ausgeführt:

7 Die Nebenkostenabrechnungen seien hinsichtlich der Positionen Kaltwasser, Abwasser und Müllabfuhr formell unwirksam, weil ihnen ein nicht verständlicher Umlageschlüssel nach Personenbruchteilen zugrunde gelegt sei. Diesen Umlageschlüssel habe der Kl. innerhalb der jeweiligen Abrechnungsfrist nicht nachvollziehbar erläutert. Für den Durchschnittsmieter sei ohne weitere Erläuterung nicht verständlich, wie die in den Nebenkostenabrechnungen des Kl. als „Gesamteinheiten" aufgeführten Personenbruchteile von 20,39, 17,22, 16,06 und 13,98 zu verstehen seien. Auf die Belegeinsicht habe er die Bekl. zur Erläuterung des Umlageschlüssels nicht verweisen dürfen, weil die Nebenkostenabrechnungen aus sich heraus verständlich sein müssten. Damit sei die Klage in Höhe von insgesamt 2.450,79 € unbegründet.

II. 8 Diese Beurteilung hält revisionsrechtlicher Nachprüfung nicht stand. Mit der vom Berufungsgericht gegebenen Begründung kann ein Anspruch des Kl. auf Zahlung der Nebenkosten für Kaltwasser, Abwasser und Müllabfuhr in Höhe von 2.450,79 € nicht verneint werden. Die klagegegenständlichen Betriebskostenabrechnungen nach „Personenbruchteilen" sind entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts nicht wegen formeller Mängel unwirksam.

9 Formell ordnungsgemäß ist eine Betriebskostenabrechnung nach der Rechtsprechung des Senats, wenn sie den allgemeinen Anforderungen des § 259 BGB entspricht, also eine geordnete Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben enthält. Soweit keine besonderen Abreden getroffen sind, sind in die Abrechnung bei Gebäuden mit mehreren Wohneinheiten regelmäßig folgende Mindestangaben aufzunehmen: Eine Zusammenstellung der Gesamtkosten, die Angabe und - soweit zum Verständnis erforderlich - die Erläuterung der zugrunde gelegten Verteilerschlüssel, die Berechnung des Anteils des Mieters und der Abzug der Vorauszahlungen des Mieters (Senatsurteile vom 11. August 2010 - VIII ZR 45/10, GE 2010, 1261 = juris Rn. 10; vom 19. November 2008 - VIII ZR 295/07, GE 2009, 189 = NZM 2009, 78 Rn. 21; vom 28. Mai 2008 - VIII ZR 261/07, GE 2008, 855 = NJW 2008, 2260 Rn. 10; vom 9. April 2008 - VIII ZR 84/07, GE 2008, 795 = NJW 2008, 2258 Rn. 15). Diesen Anforderungen werden die Abrechnungen des Kl. gerecht.

10 Die Abrechnung nach Personen ermöglicht es dem Mieter, gedanklich und rechnerisch nachzuvollziehen, wie (in welchen Rechenschritten) die Umlage der Betriebskosten erfolgt ist (vgl. Senatsurteil vom 19. November 2008 - VIII ZR 295/07, aaO. Rn. 21 f.). Der in den Abrechnungen unter der Rubrik „Gesamteinheiten" aufgeführte Umlagemaßstab „Personen" ist als Verteilerschlüssel allgemein verständlich. Für den Mieter ist ohne weitere Erläuterungen ersichtlich, dass sich bei diesem Umlageschlüssel sein Anteil an den Betriebskosten nach dem Verhältnis der in seiner Wohnung lebenden Personen zu den in der Abrechnungseinheit insgesamt wohnenden Personen bestimmt.

11 In den Abrechnungen des Kl. sind jeweils die Gesamtpersonenzahl sowie die für die Wohnung der Bekl. zugrunde gelegte Personenzahl angegeben. Anhand dieser Angaben konnten die Bekl. gedanklich und rechnerisch nachvollziehen, wie (in welchen Rechenschritten) die Umlage der Betriebskosten erfolgt ist.

12 Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts wird die Nachvollziehbarkeit einer solchen Abrechnung nicht dadurch in Frage gestellt, dass sich aus ihr nicht ergibt, wie der Vermieter die - hier mit einem Bruchteil angegebene - Gesamtpersonenzahl im Einzelnen ermittelt hat. Bei der Ermittlung der Personenzahl muss der Vermieter einen weiteren Schritt oder eine gewisse „Gewichtung" vornehmen, weil die Zahl der in einem Mietobjekt wohnenden Personen nur entweder „taggenau" oder zu einzelnen (gröberen) Stichtagen ermittelt werden kann. Der Angabe derartiger Details bedarf es auf der formellen Ebene nicht. Ohnehin könnte der Mieter die Ermittlung der Gesamtpersonenzahl nur dann im Einzelnen nachvollziehen, wenn ihm - wie es die Revisionserwiderung für erforderlich hält - überdies eine Belegungsliste für das Mietobjekt im Abrechnungsjahr zur Verfügung gestellt würde; damit würde die Betriebskostenabrechnung aber überfrachtet. Wie der Vermieter die Gesamtpersonenzahl errechnet hat, ist - nicht anders als etwa die Zusammensetzung der in der Betriebskostenabrechnung angesetzten Gesamtwohnfläche bei der Umlage von Betriebskosten nach der Wohnfläche - eine Frage der inhaltlichen Richtigkeit, die der Mieter anhand einer Einsicht in die Berechnungsunterlagen (Belegungsliste) im Einzelnen überprüfen kann.

III. 13 Hiernach kann das Berufungsurteil, soweit es mit der Revision angegriffen worden ist, keinen Bestand haben; es ist daher insoweit aufzuheben (§ 562 Abs. 1 ZPO). Die Sache ist nicht zur Endentscheidung reif, weil das Berufungsgericht - aus seiner Sicht folgerichtig - keine Feststellungen zur inhaltlichen Richtigkeit der Abrechnungen für die Jahre 2003 bis 2006 bezüglich der Positionen Kaltwasser, Abwasser und Müllgebühr getroffen hat. Die Sache ist daher insoweit zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückzuverweisen (§ 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO).

Leitsatz

häufig von der Redaktion verfasst

Wird in der Betriebskostenabrechnung die Gesamtpersonenzahl mit einem Bruchteil angegeben, genügt das zur formellen Wirksamkeit.

Der Fall

Bearbeitung des Verlags, keine Aussage des Gerichts

In der Nebenkostenabrechnung waren die Positionen Kaltwasser, Abwasser und Müllabfuhr nach „Gesamteinheiten" von (u. a.) „20,39 Personen für 2003" aufgeschlüsselt, wobei auf die beklagten Mieter jeweils „Einheiten" von „2,0" Personen entfielen. Für weitere Abrechnungsjahre waren unterschiedliche Gesamtpersonenzahlen mit Bruchteilen angegeben. Die Mieter wurden auf Nachzahlung in Anspruch genommen. Nach Verurteilung durch das AG wies das LG in der Berufung die Klage hinsichtlich der Positionen Kaltwasser, Abwasser und Müllabfuhr ab, was zur zugelassenen Revision des Vermieters zum BGH führte.

Das Urteil

Bearbeitung des Verlags, keine Aussage des Gerichts

Der VIII. Senat des BGH hob das Urteil auf und verwies die Sache an das Berufungsgericht zurück, damit dort Feststellungen zur inhaltlichen Richtigkeit der Abrechnungen getroffen werden können. Die Abrechnung nach Personen ermögliche es dem Mieter, gedanklich und rechnerisch nachzuvollziehen, wie (in welchen Rechenschritten) die Umlage der Betriebskosten erfolgt sei. Der in den Abrechnungen unter der Rubrik „Gesamteinheiten" aufgeführte Umlagemaßstab „Personen" sei als Verteilerschlüssel allgemein verständlich. Für den Mieter sei ohne weitere Erläuterungen ersichtlich, dass sich bei diesem Umlageschlüssel sein Anteil an den Betriebskosten nach dem Verhältnis der in seiner Wohnung lebenden Personen zu den in der Abrechnungseinheit insgesamt wohnenden Personen bestimme. Die Nachvollziehbarkeit einer solchen Abrechnung werde nicht dadurch in Frage gestellt, dass sich aus ihr nicht ergebe, wie der Vermieter die – hier mit einem Bruchteil angegebene – Gesamtpersonenzahl im Einzelnen ermittelt habe. Bei der Ermittlung der Personenzahl müsse der Vermieter einen weiteren Schritt oder eine gewisse „Gewichtung" vornehmen, weil die Zahl der in einem Mietobjekt wohnenden Personen nur entweder „taggenau" oder zu einzelnen (gröberen) Stichtagen ermittelt werden könne. Der Angaben derartiger Details bedürfe es auf der formellen Ebene nicht. Ohnehin könnte der Mieter die Ermittlung der Gesamtpersonenzahl nur dann im Einzelnen nachvollziehen, wenn ihm – wie es die Revisionserwiderung für erforderlich halte – überdies eine Belegungsliste für das Mietobjekt im Abrechnungsjahr zur Verfügung gestellt würde; damit würde die Betriebskostenabrechnung aber überfrachtet. Wie der Vermieter die Gesamtpersonenzahl errechnet habe, sei – nicht anders als etwa die Zusammensetzung der in der Betriebskostenabrechnung angesetzten Gesamtwohnfläche bei der Umlage von Betriebskosten nach Wohnfläche – eine Frage der inhaltlichen Richtigkeit, die der Mieter anhand einer Einsicht in die Berechnungsunterlagen (Belegungsliste) im Einzelnen überprüfen könne.

Anmerkung

Bearbeitung des Verlags, keine Aussage des Gerichts

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass das Urteil nicht im Widerspruch zu dem Urteil des BGH vom 23. Januar 2008 - VIII ZR 82/07, GE 2008, 401 - steht. Ist danach vertraglich die Umlage der Betriebskosten nach der Kopfzahl der in einer Mietwohnung ständig lebenden Personen vereinbart, ist das Register nach dem Melderechtsrahmengesetz keine hinreichend exakte Grundlage für die Feststellung der wechselnden Personenzahl in einem Mietshaus mit einer Vielzahl von Wohnungen. Diese Entscheidung stellt nicht in Frage, dass ein Verteilerschlüssel nach Personen möglich ist und die Betriebskosten nach dem Verhältnis der in der Einzelwohnung lebenden Personen zu den in der Abrechnungseinheit insgesamt wohnenden Personen umgelegt werden können.

Das vorliegende BGH-Urteil liegt auf der Linie des Urteils des LG Krefeld vom 17. März 2010 - 2 S 55/09, GE 2010, 1414. Der BGH hatte nur zur formellen Wirksamkeit der Betriebskostenabrechnung Stellung zu nehmen und hat diese bejaht. Beim Berufungsgericht (LG Bonn) geht es jetzt um die materielle Begründetheit der Forderung. Der Mieter müsste jetzt beim Vermieter Einsicht in die einzelnen Unterlagen zur Betriebskostenabrechnung nehmen und in diesem Zusammenhang die Belegungsliste prüfen, um zu ergründen, wie sich die gesamte Personenzahl nach Bruchteilen errechnet. Offenbar ergibt sich diese Zahl unter Berücksichtigung eines Zeitfaktors, weil in der Regel nicht alle Personen während des gesamten Abrechnungsjahres in dem Hause wohnen. Wie dieser Wert eine Plausibilität erreichen kann, bleibt im Dunkeln (vgl. Bieber in GE 2010, 1377).